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Mitarbeiter gehen für Lidl auf die Straße (15.04.2008)
Von Adrian Hoffmann
Karlsruhe - Mehrere hundert Lidl-Mitarbeiter sind gestern in Karlsruhe auf die Straße gegangen, um für ihren Arbeitgeber zu demonstrieren. „Wir arbeiten gerne bei Lidl“, haben sie auf ihre Banner geschrieben, „auch ohne Betriebsrat“. Von Passanten wurde die Aktion mit Verwunderung, teils mit Skepsis beobachtet; schließlich war der Neckarsulmer Discounter-Riese in den vergangenen Wochen für den Umgang mit seinen Mitarbeitern teilweise heftig kritisiert worden.
„Nicht unterdrückt“ Andreas Kunze heißt der Mann, der die Kundgebung organisiert hatte. Er ist Leiter einer Lidl-Filiale in Karlsruhe und will der „einseitigen Darstellung in der Öffentlichkeit“ nicht weiterhin ungefragt und wehrlos gegenüberstehen. „Wir werden nicht unterdrückt oder bevormundet“, sagt er auf der Bühne. „Unser Arbeitgeber hat Ecken und Kanten, dessen sind wir uns bewusst.“ Das Thema Mitarbeiterüberwachung habe alle schockiert. Nur, stellt er klar: „Wir können sehr wohl unterscheiden, was System ist und was Einzelfälle sind.“
Immer wieder applaudieren die anwesenden Lidl-Mitarbeiter Andreas Kunze. Vor allem aus dem Großraum Karlsruhe, aber auch von weiter her sind sie zu der Veranstaltung gekommen. „Wir sind freiwillig hier“, betont eine Lidl-Mitarbeiterin am Rande der Veranstaltung. Von einem Kunden sei sie gefragt worden, wie viel Geld sie denn für die Teilnahme an der Demo bekomme. „Das hat mich geärgert.“
Kunze wird nicht müde zu erklären, dass die Idee zu dieser Kundgebung in seiner kleinen Filiale geboren worden sei. Immer wieder hätten Kunden ihn auf die Mitarbeiterbespitzelung angesprochen „Ich kann das nicht mehr hören“, sagt Andreas Kunze. Er sei immer fair behandelt worden. Kunze: „Es ist einfach, auf jemanden draufzuschlagen, der am Boden liegt.“ Deshalb habe er beschlossen, die Demonstration zu organisieren. „Wir haben alle unsere eigene Meinung.“ Die Konzernleitung habe nichts mit der Veranstaltung zu tun gehabt.
Trotzdem ist Lidl-Personalchef Jürgen Kisseberth gestern gerne nach Karlsruhe gefahren. „Ich finde es toll hier“, sagt der Manager, der in den vergangenen Wochen wegen der Überwachungs-Affäre oft ins Rampenlicht musste. Diesmal durfte er sich das Geschehen aus dem Hintergrund anschauen.
„Fehler darf man nicht beschönigen“, betont Ernst Simon, Betriebsratsvorsitzender eines Lidl-Zentrallagers bei Donaueschingen. „Aber aus Fehlern kann man lernen.“
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