Mit Spaghetti-Eis und gläserner Eisküche den Erfindern auf der Spur

Mannheim nennt sich gerne die Stadt der Erfinder. Zu deren erfolgreichsten Bürgern gehört zweifelsohne Ingenieur Carl Benz, der in der kurpfälzischen Metropole das erste Automobil entwickelte. Da passt jemand wie Dario Fontanella gut hin - ist er doch der Erfinder des Spaghetti-Eises. Dessen Erfindung ist zwar nicht so folgenreich wie die des Automobils - aber doch fast ebenso bekannt.

Mannheim nennt sich gerne die Stadt der Erfinder. Zu deren erfolgreichsten Bürgern gehört zweifelsohne Ingenieur Carl Benz, der in der kurpfälzischen Metropole das erste Automobil entwickelte. Da passt jemand wie Dario Fontanella gut hin - ist er doch der Erfinder des Spaghetti-Eises. Dessen Erfindung ist zwar nicht so folgenreich wie die des Automobils - aber doch fast ebenso bekannt. Beweisen kann Eismacher Fontanella zwar seine Erfindung von 1969 nicht, weil er sie nicht in München beim Patentamt anmeldete. Aber seine Geschichte überzeugt - und widersprochen hat dem Wahl-Mannheimer bislang auch niemand.

Er habe seinen Vater mit einer neuen Kreation überraschen wollen, berichtet der gebürtige Italiener, dessen Familie aus Venezien kommt. „Ich wollte Eis mal in einer anderen Form anbieten.“ Inspiriert von dem Verzehr pürierter Maroni, presste er es durch eine Kartoffelpresse. Um die Farben der italienischen Flagge zu haben, wählte er Pistazieneis für Grün, Zitroneneis für Weiß und Erdbeereis für Rot. Bunte Nudeln gab es damals aber noch nicht. „Darum fiel meine Kreation durch.“

Fontanella überlegte weiter - und versuchte es mit Vanielleeis. Die Bolognese-Soße wurde mit Himbeeren nachempfunden. „Aber das sah gar nicht aus.“ Schließlich entschied sich der Eismacher für ein Erdbeerpüree. Soweit, sogut. Doch Vanilleeis ist teuer. „Milch, Sahne, sechs Eigelb pro Liter, Vanilleschoten - das kostet“, schildert er. Also türmte er den Berg „Nudeln“ auf einen Hügel Schlagsahne - fertig war es das Spaghetti-Eis.

Seitdem ist Fontanella ständig auf der Suche nach etwas Neuem. Jede Saison gibt es neue Eissorten. Im Sommer sind fruchtige Kreationen wie Zitrone mit Ingwer, jetzt zur Herbstzeit wird auf die pralinigen „Winter-Sorten“ umgestellt. Dazu gehören Sorten wie Walnuss mit Feige und Schokosplittern, Pflaumeneis mit etwas Zimt oder Eiscreme von der asiatischen Frucht Kaki. „Wir versuchen immer wieder etwas Neues zu kreieren“, berichtet Fontanella. Unterstützt wird er dabei seit zwölf Jahren von einem Lebensmittelberater.

Mehr als 580 Millionen Liter Speiseeis wurde im vergangenen Jahr laut Statistischem Bundesamt industriell hergestellt. Bei dem Mannheimer Eismacher sind es täglich - je nach Wetterlage - 100 bis 1000 Liter Eis. Dabei lassen sich der 56-Jährige und sein Team auf die Finger schauen - in einer hochmodernen „gläsernen Eisproduktion“. „Das große Geheimnis unserer Firma ist, dass wir keine Geheimnisse haben“, sagt der Unternehmer - rückt Angaben zu Investitionssumme aber nicht raus. „So viel, dass ich noch nicht aufhören kann zu arbeiten“, sagt er kokett.

Seit 102 Jahre macht seine Familie bereits Eis, mehr als ein Drittel der Zeit davon in Mannheim. Die Fontanellas kamen 1932 aus dem etwa 60 Kilometer von Venedig entfernten Conegliano in die Rhein- Neckar-Metropole. Der erste Eissalon war damals mitten in der Stadt an den Planken - dort ist auch noch heute der Hauptsitz.

Die Umsiedlung nach Deutschland in den frühen Jahren scheint ungewöhnlich, liegt lange vor dem Gastarbeiterboom oder Italien- Feeling der 50er Jahre. „Im ausgehenden 19. Jahrhundert sind aber erstmals viele Italiener in das damalige deutsche Kaiserreich gekommen“, berichtet ein Sprecher des Hauses der Geschichte Baden- Württemberg. Viele Italiener seien in der Baubranche tätig gewesen und hätten insbesondere im Tunnelbau über wichtige Spezialkenntnisse verfügt. „Viele der Saisonarbeiter kamen aus nackter Not in der Heimat hierher und sind dann später geblieben, um die Familien versorgen zu können“, erklärt der Sprecher. Erste Eisdielen in Deutschland entstanden in den 1920er Jahren

Auch Verwandte von Fontanella kamen im Zuge dieser Entwicklung nach Deutschland. Sein Herr Papa versuchte sich dann als Eismacher, nachdem er das Handwerk beim Vater, dem Konditor, gelernt hatte. „Damals gab es noch keine Eishersteller“, schildert der Wahl- Mannheimer. Das hat sich geändert. Zwischenzeitlich bemüht sich die Branche um eine fundierte und anerkannte eigene Berufsausbildung. Fontanella mischt da in Baden-Württemberg mit, denn das Handwerk ist ihm Herzenssache. „Ich esse gerne Eis - es ist immer wieder ein Genuss, auch woanders gutes Eis zu essen“, bekennt er.