Felix ist ein vermisstes und kein totes Kind

Karlsruhe - „Wenn Felix tot wäre, so würden wir das akzeptieren“, sagt Johann Schmitz. „Aber bis jetzt kann uns niemand auf der Welt sagen, was genau passiert ist.“ Schmitz ist der Großvater des kleinen Felix. Seit mehr als drei Jahren gilt sein Enkel als vermisst. Der Junge aus Oftersheim (Rhein-Neckar-Kreis) war zwei Jahre alt, als sein Vater ihn bei der Mutter abholte - und nie wieder zurückbrachte. Die Leiche des Vaters wurde im Februar 2006 in einem Wald bei Bühlertal (Kreis Rastatt) gefunden, von dem Jungen fehlt bis heute jede Spur.

Von Sandra Silber, dpa

Ein neues Fahndungsfoto zeigt den seit drei Jahren vermissten kleinen Felix aus Oftersheim: Mit Hilfe einer schottischen Spezialistin ließen die Großeltern jetzt ein realistisches Bild des heute sechsjährigen Felix anfertigen, der seit mehr als drei Jahren spurlos verschwunden ist. frm (Polizei)
Karlsruhe - „Wenn Felix tot wäre, so würden wir das akzeptieren“, sagt Johann Schmitz. „Aber bis jetzt kann uns niemand auf der Welt sagen, was genau passiert ist.“ Schmitz ist der Großvater des kleinen Felix. Seit mehr als drei Jahren gilt sein Enkel als vermisst. Der Junge aus Oftersheim (Rhein-Neckar-Kreis) war zwei Jahre alt, als sein Vater ihn bei der Mutter abholte - und nie wieder zurückbrachte. Die Leiche des Vaters wurde im Februar 2006 in einem Wald bei Bühlertal (Kreis Rastatt) gefunden, von dem Jungen fehlt bis heute jede Spur. Felix ist damit eines von 42 Kindern unter 14 Jahren, die in Baden-Württemberg als vermisst gemeldet sind.

Internationaler Tag der vermissten Kinder

Das Bundeskriminalamt (BKA) zählt in ganz Deutschland 516 Jungen und Mädchen bis zum Alter von 13 Jahren, die als verschwunden registriert sind. Zudem werden mehr als 1200 Jugendliche vermisst. Bei der Suche nach ihrem Enkelkind wird den Schmitz' über ein Internet-Netzwerk Hilfe aus ganz Deutschland angeboten. Zahlreiche Ehrenamtliche unterstützen das Paar auch an diesem Montag (25. Mai) am „Internationalen Tag der vermissten Kinder“. Der Tag wurde 1983 von US-Präsident Ronald Reagan eingeführt. Er sollte an den sechsjährigen Etan Patz aus New York erinnern, der am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule verschwand und seitdem als verschollen gilt.

Seit sechs Jahren wird der Tag auch in Deutschland zelebriert. „Bis vor wenigen Monaten wussten wir nicht, dass es solch einen Tag gibt“, erzählt Großvater Schmitz. „Die Menschen aus unserem Felix-Netzwerk im Internet haben uns darauf aufmerksam gemacht und nun planen wir seit einigen Wochen.“ Die bundesweit einzigartige Initiative Vermisste Kinder (Hamburg), die die Polizei bei der Suche nach Verschwundenen unterstützt, sucht seit 1997 weltweit verschwundene Jungen und Mädchen - mit dem Internet, mit Info-Screens in Bahnhöfen, neuerdings auch in Videoportalen. Die Initiative organisiert zudem gemeinsam mit der Opferschutzorganisation Weißer Ring auch in Hamburg, Berlin, Frankfurt und Dresden Aktionen zum „Tag der vermissten Kinder“.

Hoffnung

In Baden-Württemberg gibt es zum Gedenktag nur eine einzige Veranstaltung - in Karlsruhe. Die Schmitz betreuen am Montag im Rahmen des Kinder- und Jugendfestivals „Kix-Workshops“ in der sogenannten Zeltstadt einen Infostand. Mit einem neuen Fahndungsfoto, das zeigt, wie Felix heute aussehen könnte, hoffen die Großeltern zum einen auf wichtige Hinweise aus der Bevölkerung. „Zum andern suchen wir einfach Kontakt und wünschen uns Tipps, wie wir unsere Suche noch verbessern können“, betont der 74-Jährige. Die Hoffnung, dass Felix noch lebt, haben die Senioren noch lange nicht aufgegeben: „Wir sprechen noch immer von einem vermissten Kind, und nicht von einem toten.“

Bundesweit gehen bei der Polizei bis zu 100.000 Vermisstenanzeigen pro Jahr ein, wie der Leiter der Initiative, Lars Bruhns, berichtet. „Etwa 98 Prozent der Fälle klären sich aber innerhalb der ersten Stunden oder Tage.“ Die meisten Kinder und Jugendlichen tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Es gibt aber auch einige, die über Jahre wie vom Erdboden verschluckt sind. Der Großteil der rund 150 Fälle auf unseren Internet-Seiten liegt viele Jahre zurück“, erzählt Bruhns. So warten die Eltern von Daniel aus Karlsruhe seit 1997 auf ein Lebenszeichen ihres Sohnes, Deborah aus Düsseldorf ist seit 1996 verschwunden, und Jenisa aus Hannover wurde 2007 zuletzt gesehen.

Für die Angehörigen bedeutet das: quälendes Warten. Ungewissheit. Ständige Unruhe. „Die Unsicherheit quält die Eltern am meisten“, sagt Bruhns. „Sie grübeln die ganze Zeit, ob ihr Kind noch lebt, wo es lebt, was ihm vielleicht angetan wird. Manche hätten nach einer Todesnachricht mehr innere Ruhe.“

>>Internet: www.vermisste-kinder.de, www.25mai.de