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Dienstort Kabul ist nicht leicht zu vergessen
Von Julia Schweizer (dpa)
Heidelberg - Sein Job ist anstrengend, „nie langweilig und täglich eine neue Herausforderung“ - und manchmal ist er auch lebensgefährlich: Vom diesem Montag (1. Februar) an arbeitet Oberstleutnant H., der seinen Namen aus Schutz vor seiner Familie nicht nennen möchte, in der afghanischen Hauptstadt Kabul. Für die kommenden sechs Monate wird er zusammen mit rund 100 Soldaten des NATO-Hauptquartiers in Heidelberg seinen Dienst für die Internationale Schutztruppe ISAF leisten. Sie übernehmen dort Koordinationsaufgaben und sind Ansprechpartner für die unterschiedlichen Institutionen und Organisationen.
Zurück lässt H. eine Frau und einen Sohn. Doch die sind es bereits gewöhnt, dass der 49-Jährige immer mal wieder im Auslandseinsatz ist. Allein dreimal war er in den vergangenen fünf Jahren in Afghanistan. Ohnehin sieht sich die Familie oft nur am Wochenende, wenn er in sein Haus in einem Dorf in der Nähe von Koblenz zurückkehrt. Vor fünf Jahren sind sie dort eingezogen, kurze Zeit später kam der Befehl für den ersten Einsatz in Afghanistan. Im vergangenen Jahr wurde er kurzfristig nach Heidelberg versetzt: „Da war bei uns nicht so große Begeisterung“, sagt er. Aufgeben wollte er das eigene Zuhause aber nicht: „Mit dem Haus ist für meine Familie gesorgt, und die Nachbarn schauen auch, falls irgendetwas sein sollte. Es ist gut für mich zu wissen, dass ich mir keine Sorgen machen muss.“
Selbstmordanschlag miterlebt
Denn auch wenn er vor allem im Hauptquartier arbeiten wird: Bei seinem letzten Einsatz erlebte er einen Selbstmordanschlag auf die in der Nachbarschaft gelegene indische Botschaft mit rund 60 Toten mit. Und teilweise musste H. Nächte in Bunkern verbringen, weil in der Nähe Raketen einschlugen. „Ich habe sicher schon belastende Dinge erlebt“, sagt er. Sehr viel mehr belaste ihn aber, dass er als Presseoffizier auch über Tote reden müsse und deren Bilder sehe; Bilder von Soldaten, die er teils selbst kannte. „Das kann man nicht einfach neutralisieren und vergessen“, sagt er.
Auf den rein arbeitsbezogenen Teil des Einsatzes wurden die Soldaten in einem speziellen Training im norwegischen Stavanger vorbereitet. Dort hätten sich einige von ihnen in den Übungen, in denen frühere Ereignisse und Aufgaben nachgestellt wurden, wieder fast wie Anfänger gefühlt. Aber am Schluss habe das Heidelberger Team die Ziellinie in vollem Lauf erreicht, beschrieb H. die Erfahrungen in einem Standort-Magazin. Und sie fühlten sich nicht nur gut vorbereitet, sondern auch hochmotiviert für den Einsatz.
Doch auch für die Zeit danach hat der Oberstleutnant schon erste Vorbereitungen und Pläne getroffen. Nach seiner Rückkehr will er zunächst zwei Wochen in Heidelberg bleiben und nur am Wochenende heimfahren, um sich langsam wieder in seine Familie zu integrieren. „Und um von meiner hohen Drehzahl runterzukommen und Spannung abzubauen.“ Nach einem Urlaub im Herbst soll es dann in eine dreiwöchige Präventivkur gehen. „Das hat sich bislang so bewährt“, sagt er.
Hintergrund
Reiseziel Afghanistan: Rund 70 NATO-Soldaten aus Heidelberg sind am Samstag vom rheinland-pfälzischen Ramstein aus Richtung Kabul geflogen. Sie gehören zusammen mit 30 weiteren Soldaten, die bereits seit Dezember im Krisengebiet sind, zu den ersten, die das NATO-Hauptquartier für Mitteleuropa entsendet. Für das kommende halbe Jahr werden sie als Teil der Internationalen Schutztruppe ISAF ihren Dienst im Hauptquartier von US-General Stanley McChrystal leisten und vor allem Koordinationsaufgaben übernehmen. Zudem sollen sie Ansprechpartner für Regierung, Institutionen und Organisationen vor Ort sein.
Im Anschluss fliegen drei weitere Gruppen mit 100 Soldaten für je sechs Monate in die Hauptstadt Kabul. Damit werden nach Ablauf der zwei Jahre fast alle der rund 500 in Heidelberg stationierten NATO-Soldaten in Afghanistan im Einsatz gewesen sein. Sie stammen aus 23 Nationen - etwa 110 von ihnen sind Deutsche. Die NATO hatte erst im vergangenen Oktober bekanntgeben, dass sich die Struktur des Heidelberger Hauptquartiers hin zu einer mobilen und schnell verlegbaren Einheit ändern wird.
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