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20.000 Menschen an Demonstration beteiligt- Attacke auf SPD-Chef

Stuttgart - Eine Stunde lang hatte der SPD-Fraktionschef am Samstag mit angespanntem Gesichtsausdruck am Stuttgarter Schlossplatz auf der Bühne gestanden. Aus dem Hintergrund sah er zu, wie Verdi-Chef Frank Bsirske und andere zu den Teilnehmern der Demonstration gegen das Sparpaket der Bundesregierung sprachen. In aller Ruhe konnte er die Plakate in der Menschenmenge lesen: „Schmiedel? Ich krieg die Krise“, war dort zum Beispiel geschrieben. Im Vorfeld hatte es Massen-Mails gegeben, in denen zum Protest gegen Schmiedel aufgerufen wurde, weil er das Bahnhofs-Bauprojekt Stuttgart 21 befürwortet.
Mit Eiern beworfen
Dann war Schmiedel dran. „Es geht hier nicht um den Stuttgarter Hauptbahnhof“, konnte der SPD-Mann den Menschen noch zurufen - und das Pfeifkonzert wurde so laut, dass seine Kritik an dem milliardenschweren Sparpaket und den Sozialkürzungen der Bundesregierung fast völlig unterging. Schließlich kippte die Stimmung endgültig: Aus einer Gruppe von 80 Autonomen hagelte es Eier, Flaschen und Fahnenstöcke. Regenschirme schützten Schmiedel, die Polizei stürmte auf die Bühne. Trotzdem wurde der 59-Jährige an den Beinen getroffen.
Später suchte er nach Erklärungen. Krawallmacher hätten die Stimmungsmache der Stuttgart-21-Gegner zum Anlass genommen, ihre Aggression an ihm zu entladen. Schmiedel warnte die Gegner des Bahnhof-Projekts davor, ihn zum Feindbild zu machen.
Durchhaltevermögen
Unter Regenschirmen verborgen hielt er dann trotz allem seine Rede bis zum Schluss. „Das Land muss zusammenhalten bei den Protesten gegen die unsoziale Politik“, rief der im Eier-Hagel ziemlich einsam wirkende Politiker. Immer mehr Polizisten in schusssicheren Westen und mit schweren Helmen kamen an seine Seite.
„Bis auf diese eine Viertelstunde war das eine sehr gelungene Demonstration“, sagte Linken-Landessprecher Bernd Riexinger nach Ende der Demo zerknirscht. Aufgebrachten linksgerichteten Demonstranten stand Riexinger Rede und Antwort. „Warum durfte der Schmiedel überhaupt sprechen?“, fragte eine erboste Frau. Die Rede von Schmiedel habe sie als Provokation verstanden. „Die Aggression ist in überhaupt gar keiner Weise zu rechtfertigen“, fiel Riexinger ihr energisch ins Wort. Er sei sehr froh, dass die Linke erstmals in Baden-Württemberg zusammen mit der SPD auf die Straße gegangen sei.
Hohe Beteiligung
Insgesamt hatten sich nach Polizeiangaben rund 10.000 Menschen an der Demonstration beteiligt. Die Veranstalter sprachen von rund 20.000 Teilnehmern. Der Protestzug unter dem Motto „Gerecht geht anders“ hatte am späten Samstagvormittag am Hauptbahnhof begonnen. Auf den Plakaten der Teilnehmer waren Forderungen nach weniger Sozialkürzungen und einem höheren Spitzensteuersatz zu lesen. Im Fahnenmeer waren Banner von den Gewerkschaften Verdi und DGB sowie von SPD, Grünen und Linken zu sehen. Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Opposition und sozialen Vereinen hatte zu dem Protestzug aufgerufen. dpa/lsw
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