Schiller erlebt im Spätsommer 1793 vier meist unerquickliche Wochen in Heilbronn

Heilbronn - Für Schiller verliert der vierwöchige Heilbronn-Aufenthalt im Spätsommer 1793 rasch an Reiz: Der kranke Dichter sucht Linderung beim Heilbronner Arzt Eberhard Gmelin (1761-1809) und ist unzufrieden, weil er außer dem Universalgenie Christian Ludwig Schübler keinen adäquaten Gesprächspartner findet.

Von Andreas Sommer

Das Geburtshaus des Dichters in der Niklastorstraße in Marbach. Foto: Sommer



Heilbronn - Für Schiller verliert der vierwöchige Heilbronn-Aufenthalt im Spätsommer 1793 rasch an Reiz: "Wissenschaftliches oder Kunstinteresse findet sich blutwenig", notiert er am 27. August. Der kranke Dichter sucht Linderung beim Heilbronner Arzt Eberhard Gmelin (1761-1809) und ist unzufrieden, weil er außer dem Universalgenie Christian Ludwig Schübler keinen adäquaten Gesprächspartner findet.

Schiller reist am 8. August 1793 privat mit seiner schwangeren Frau Charlotte in die vom Herzogtum Württemberg unabhängige Reichsstadt mit 7162 Einwohnern. Zunächst logieren sie im Gasthof "Zur Sonne". "Es ist hier teurer zu leben als in Jena", beobachtet er. Nach einer Woche zieht das Paar in eine Mietwohnung in der Sülmerstraße gegenüber der Nikolaikirche.

Schillers Vater und andere Familienmitglieder kommen zu Besuch. Friedrichs 27-jährige Schwester Luise kümmert sich um den Haushalt und um die gleichaltrige Schwägerin Charlotte. Vernichtend klingt deren Urteil über die Stadt: "In Heilbronn war es uns ganz leer an Unterhaltung (...) wo man noch um 50 Jahr zurück ist in allem."

Das Wiedersehen mit Schillers Jugendfreundin Margarete Schwarz erweist sich als recht unerquicklich, und zu allem Übel wird aus der langersehnten Sonnenfinsternis am 5. September 1793 nichts. Wegen trüber Witterung fällt sie ins Wasser. Literarische Nahrung verschafft Schiller "eine kleine Lesebibliothek und eine schwach vegetierende Buchhandlung".

So muss er sich anderweitig trösten: "Der Neckarwein schmeckt mir desto besser", schreibt er an seinen Freund Christian Gottfried Körner. "So enorm teuer ... besonders der Wein ist, so trinke ich für dasselbe Geld noch einmal soviel Wein als in Thüringen, und zwar vortrefflich." Am 8. September 1793 reisen Schillers nach Ludwigsburg weiter, wo sechs Tage später ihr erstes Kind Karl Friedrich Ludwig geboren wird.

Eine Odyssee erlebt die von einem Unbekannten 1891 nach Dannecker geschaffene Heilbronner Schillerbüste. Sie steht bis Ende 1959 auf der Allee in Höhe der Einmündung Schillerstraße - mit einer diebstahlsbedingten Unterbrechung 1922. Anfang der 60er Jahre wird die Büste in den Stadtgarten umgesiedelt.

1993 verschwindet das gute Stück nach einer Vandalen-Attacke im Magazin der Städtischen Museen. 2005 wird sie zur Premiere der "Räuber"-Inszenierung auf Initiative des Journalisten Uwe Jacobi und des damaligen Intendanten Martin Roeder-Zerndt aus der Versenkung geholt und im Foyer des Großen Hauses ausgestellt. Jetzt ruht sie wieder im Magazin.