Klassik-Konzert mit Groupie-Faktor

Stuttgart - David Garrett spielt gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Bergen in großer Harmonie

Von Melanie Kräuter

Klassik-Konzert mit Groupie-Faktor
Wie bei dieser ZDF-Spendengala spielte Garrett mit großen Orchester.Foto: dpa

Stuttgart - „Für mich ist die Violine das Instrument, das der menschlichen Stimme am nächsten kommt. Sie hat ein enormes Spektrum von Bariton bis Sopran und macht es einem möglich ganz verschiedene Klangfarben zu erzeugen.“ Dieser Satz stammt von David Garrett und steht im Booklet seines aktuellen Albums „Encore“. Auf diesem Album verbindet er Klassik mit Rock. Er spielt Michael Jacksons „Smooth Criminal“ auf der Violine genauso wie Vivaldis „Sommer“ aus den „Vier Jahreszeiten“. Junge Leute für Klassik zu begeistern, das ist sein Ziel. Und das erreicht er mit Erfolg.

Wer jedoch am Donnerstag in der Stuttgarter Liederhalle die Präsentation des Albums „Encore“ erwartet hatte, der wurde enttäuscht - und zugleich begeistert. Denn gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Bergen, das mit stolzen 244 Jahren zu den ältesten der Welt zählt, spielte der 28-Jährige Violinist Max Bruchs „Konzert für Violine und Orchester Nr.1“. Klassik pur.

Schnellster Geiger

David Garrett und das Orchester harmonieren perfekt, jeder Takt, jeder Ton sind aufeinander abgestimmt. Und man merkt dem schnellsten Geiger der Welt - seit 2008 steht er im Guinnessbuch der Rekorde - seine Leidenschaft an. Mit geschlossenen Augen streicht er seine Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahr 1772, er genießt jeden Ton.

Der Gewinner des „Echo Klassik“ holt alle Töne aus seiner Violine heraus: Die ganz leisen sanften, aber auch die schnellen energiegeladenen. Und dafür braucht er keine Noten, er hat alles im Kopf. David Garrett gibt das Grundthema vor, spielt alleine oder mit leiser Begleitung des Orchesters, um sich im nächsten Moment ganz der Wucht, Energie und Sanftheit des Spiels der 97 Musiker hinzugeben.

Eigentlich steht nur dieses eine Stück gemeinsam mit David Garrett im Programm, doch das Publikum lässt den Künstler nicht von der Bühne. Drei Zugaben gibt er, darunter auch Johann Sebastians Bachs wunderschönes Stück „Andante“. Es ist ein Klassik-Konzert mit Groupie-Faktor. Junge und ältere Frauen bringen ihm Blumen auf die Bühne. Kein Wunder. Der Sohn deutsch-amerikanischer Eltern hat eine „Wunderkind-Karriere“ hingelegt. Als er vier Jahre alt war, bekam er seine erste Geige. Mit zehn Jahren hatte er sein erstes öffentliches Konzert mit den Hamburger Philharmonikern. In New York besuchte er die Juilliard School of Music und war Meisterschüler von Itzhak Perlman.

Facettenreich

Übrigens: Auch ohne David Garrett hatte Andrew Litton, Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Bergen, begeisterte Fans. Ihn ließen die Zuhörer auch nicht von der Bühne, nachdem er sein Orchester wunderbar durch Igor Strawinskis facettenreiches Stück „Petruschka“ dirigiert hatte.