Gerhard Oppitz unter Fedoseyev in der Liederhalle

Von unserem Mitarbeiter Martin Betulius

Stuttgart - In der Heilbronner Harmonie ist man gewohnt, den hier aufgewachsenen Weltklassepianisten Gerhard Oppitz als Solisten des Sinfonie Orchesters unter Braschkat zu erleben. Nun hörte man Oppitz in der Liederhalle mit den Stuttgarter Philharmonikern unter Gastdirigent Vladimir Fedoseyev. Dieser und Oppitz besitzen ebenbürtiges Niveau und wollen gestalterisch in idealer Eintracht dasselbe.

Das Programmheft sieht in der Gegenüberstellung von Klavier und Orchester im Andante von Beethovens Klavierkonzert G-Dur Parallelen zu Rede und Gegenrede in Glucks Oper "Orfeo ed Euridice". Doch die zu Beginn gebrachte Ouvertüre zu dieser Oper, in der man die Bezüge kaum erkennt, ist allzu dürftig. Wenn man schon Gluck bieten will, dann bitte seine Ouvertüre zu "Iphigenie in Aulis".

Beethovens viertes Klavierkonzert hört man bisweilen in heroischem Stil. Doch als Dirigent sagte Richard Strauss in der Probe zu Edwin Fischer: "Was machen’s denn da so viel her, hier haben’s doch bloß ihre Visitenkart’ abzugeben." Oppitz und Fedoseyev hielten sich daran. Solist, Dirigent und Orchester waren sich einig, das Konzert apollinisch zu bieten, was äußerst geschliffen gelang. Man könnte die Klavierläufe im Kopfsatz gegen Ende verzögern und darauf das lyrische Seitenthema auskosten, sowie im Finale das orchestrale C-Dur-Thema gewaltiger auftrumpfen lassen. In Rachmaninoffs rhythmisch vertrackten Sinfonischen Tänzen kostet Fedoseyev auch die Dramatik des Werks aus. Begeisterter Beifall.




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