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Der Tod als einziger Ausweg
Von unserem Mitarbeiter Theophil Hammer
Karlsruhe - "Meisterwerke des 20. Jahrhunderts" nennt sich eine neue Reihe am Badischen Staatstheater. Derartiges gab es dort auch schon vor der Ära des jetzigen Intendanten Peter Spuhler und seines Chefdramaturgen Bernd Feuchtner zu hören, aber jetzt hat die Spielplan-Idee einen griffigen Namen und eine konsequente Umsetzung.
"Romeo und Julia auf dem Dorfe", ein lyrisches Drama in sechs Bildern von Frederick Delius, bildete am Samstag den Anfang. 1907 an der Komischen Oper in Berlin uraufgeführt, kam das Werk erst 1910 auf englisch in Covent Garden heraus, dirigiert von Thomas Beecham, der sich lange Zeit als einziger dafür in England einsetzte.
Die Fülle der textlichen Vorlage − Gottfried Kellers bedeutende Novelle von 1856 aus dem Zyklus "Die Leute von Seldwyla" − erreicht der Komponist nicht. Stattdessen konzentriert er sich auf die Geschichte und den Liebestod des Paares Sali und Vrenchen, das in einer von Raffgier und Feindschaft geprägten Umgebung keine Chance auf ein gemeinsames Leben sieht.
Moral Ein Augenblick Wonne und dann der Tod: Mehr haben die beiden nicht zu erwarten. Als Vagabunden zu leben, wie es der schwarze Geiger, selbst ein rechtloser Verlierer, vorschlägt, kommt für sie nicht infrage. Ihre kleinbürgerliche Moral können sie nicht über Bord werfen; ihr Leben dagegen schon.
Delius benützt für sein Werk einen üppigen Orchesterapparat, den er aber sehr differenziert einsetzt. Seine Melodik ist griffig, die Harmonik spätromantisch-schillernd und der Grundton lyrisch.
Symbolisch Arila Siegert beschränkt sich in ihrer Inszenierung auf übersichtliche Abläufe, stimmungsvolle Bilder und symbolische Gesten. Der Raum, den ihr Frank Philipp Schlößmann gebaut hat, nimmt sich mit seinen ineinander kreisenden, hohen Wänden wie ein Irrgarten aus. Die Liebe findet keine Ruhe. Anfangs nicht, weil die beiden sich gegenseitig ruinierenden Väter das nicht dulden; später nicht, weil die Gesellschaft die mittellosen Kinder verspottet.
In der Traum-Sequenz, wo die jungen Leute ihre imaginäre Hochzeit erleben, und in der Kirmes-Episode zeigt sich die choreographische Handschrift der Regisseurin besonders vorteilhaft.
Wesentlich zum Gelingen der heftig gefeierten Premiere trägt die Badische Staatskapelle unter ihrem Chefdirigenten Justin Brown bei. Der Orchesterklang bleibt immer flexibel. Niemals werden die Sänger übertönt. Der Konzertmeister steuert betörende Geigen-Soli, der Staatsopernchor fein ausgehörte Choräle bei. Als Liebespaar profilieren sich Carsten Süss (Sali) und Stefania Dovhan (Vrenchen). Seung-Gi Jung (Manz) und Jaco Venter (Marti) liefern sich als hasserfüllte Väter lautstarke Duelle, während Armin Kolarczyk als Schwarzer Geiger eher differenzierte Töne bevorzugt.
1., 10.und 28. Februar. Karten: 0721 933333.
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