Improvisierte Suche nach dem Mörder

Heilbronn  Mit Dialekt und Überraschungen: Drei Stimme-Leser sind begeistert vom aktuellen Tatort-Fall aus Ludwigshafen.

Von unserer Redakteurin Tanja Ochs

Improvisierte Suche nach dem Mörder
Lena Odenthal (links: Ulrike Folkerts) sitzt mit Mordopfer Sophie Fettèr (Petra Mott) in einer Hängematte. Foto: SWR

Ein Theaterbesuch ohne Schlussapplaus: Während der Premiere im Mundarttheater "Babbeldasch" bricht Hauptdarstellerin Sophie Fettèr in ihrer Garderobe zusammen. Mohn im Schokocroissant hat bei dem Star der Laientruppe einen allergischen Schock ausgelöst. Im Publikum sitzt Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal. Dass es sich um ihren nächsten Fall handelt, erfährt die Ludwigshafener Tatort-Beamtin merkwürdiger Weise erst am nächsten tag aus der Zeitung. Zunächst einmal probiert sie sich selbst als Laiendarstellerin aus und rutscht so in eine ungewöhnliche verdeckte Ermittlung.

Komik

Die Handlung entbehrt allerdings nicht einer gewissen Komik und kommt so gar nicht Tatort-üblich daher. Die Tote selbst fordert Lena Odenthal im Schlaf vehement dazu auf, den Mörder zu finden. Die Schauspieler aus dem Babbeldasch sorgen auch abseits der Bühne im breiten Pfälzer Dialekt für manche Pointe. Ihr Miteinander gleicht einem Bauernschwank: Jeder verdächtigt jeden, Zerwürfnisse, Verhältnisse und Dreiecksbeziehungen sind hinter den Kulissen an der unterhaltsamen Tagesordnung. Liebhaber, Vermieter, Bäcker − jeder hätte ein Motiv, um "das Mohn" ins Schokoteilchen zu mischen.

Improvisierte Suche nach dem Mörder
Birgit Seelos, Cora Wittmann und Wilfried Hagner (von links) haben den Tatort schon vorab gesehen. Foto: Tanja Ochs

Und das alles geschieht ganz ohne Drehbuch. Der SWR hat mit Regisseur Axel Ranisch ein Experiment gewagt, dass man durchaus als gelungen bezeichnen kann. Auch wenn manche Dialoge etwas starr daher kommen und an Scripted-Reality-Dokus erinnern, schafft die Improvisation des Ensembles ein ungewöhnliches Fernseherlebnis. Das finden auch die Leser der Heilbronner Stimme, die den aktuellen Fall der Ludwigshafener Ermittler vorab gesehen haben. "Es ist mal was anderes", sagt Birgit Seelos. Kurzweilig und unvorhersehbar sei die Folge, meint Wilfried Hagner und bescheinigt "eine starke Leistung".

Figuren

Die besteht vor allem in der Kombination aus den Mitgliedern des Amateurtheaters Hemshofschachtel und dem professionellen Darstellerteam. Beide Gruppen wurden lediglich auf ihre Figuren vorbereitet. Nicht mal Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts wusste während der chronologischen Dreharbeiten, wer der Mörder war. Der Fall an sich bleibt zwar mäßig spannend, unterhaltsam ist das Beziehungsgeflecht der Schauspieler trotzdem.

Die Umsetzung geriet laut Ranisch zur "Kriminaloperette ohne Gesang". Ein lustiges Bühnenwerk also − nur dass dabei gebabbelt wird und nicht gesungen. Das ist so ziemlich das genaue Gegenteil von dem, was die treue Tatort-Gemeinde am Sonntagabend erwartet. "Ein bisschen komisch war es schon", sagt deshalb auch Cora Wittmann nach dem Film. Aber eben komisch im besten Sinne.