Experiment misslungen: Der gestrige "Tatort" in der Kritik

TV  Bei der "Tatort"-Folge aus Ludwigshafen am Sonntagabend wurde viel improvisiert. Spannung erzeugte allerdings nur eine Frage, die offen blieb.

Von Tobias Wieland

Lena Odenthal (Ulrike Folkerts, Mitte) und Peter Becker (Peter Espeloer) bei der Premiere des Amateurtheaters Babbeldasch. Da geht es der Theaterleiterin (links) noch gut. Foto: Martin Furch/SWR/dpa

Was hilft den Kommissaren landauf landab, wenn sie versuchen, einem Täter auf die Spur zu kommen? Manchmal Intuition, Auffassungsgabe, natürlich Erfahrung. All das war es beim gestrigen SWR-"Tatort" - nicht. Der Ermittlerin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) aus Ludwigshafen half etwas viel Profaneres - ihre Albträume. 

Der SWR hatte ein Experiment gewagt. Regisseur Axel Ranisch gab den Darstellern eine Rahmenhandlung vor, ein ausformuliertes Drehbuch existierte nicht. Die Schauspieler, darunter viele Laien, sprachen ihre Dialoge spontan ein. Dass der Film dadurch zum "schlechtesten Tatort aller Zeiten" wurde, wie es die Bild formulierte, ist übertrieben. Das Ganze trug allerdings nicht zur inhaltlichen Stringenz bei. Manches wirkte zufallsbasiert, und ja, dann waren da noch die Albträume. 

Im Mundarttheater geht es zu...

Was war passiert in der Folge? Odenthal besuchte eine Premiere im Mundarttheater "Babbeldasch" - mitten im Stück bricht die Theaterchefin (Malou Mott) hinter den Kulissen zusammen. Ein allergischer Schock, sie stirbt. Auch weil das Notfallset nicht auffindbar war. Ein Unfall? Nein. Das Croissant, das das Opfer verspeiste, war manipuliert worden. Verdächtige gibt es mehrere im und um das Ensemble. Doch Kommissarin Odenthal muss ja gar nicht groß ermitteln. Die Tote erscheint in den Träumen der Polizistin und weist ihr den Weg. 

Großartige Ermittlerarbeit sieht anders aus. Und um Spannung zu erzeugen, wären mehr Vorgaben beim Drehen sicher nicht verkehrt gewesen. So war die einzige spannende Frage des Abends: Was wollte Kopper (Andreas Hoppe) eigentlich verkünden? Der langjährige Partner von Odenthal hatte zum Essen geladen - einer Ankündigung wegen. Jene auszusprechen, dazu kam er nicht. Deutet sich da ein Abschied der Rolle an? Der SWR verkündete zumindest, dass die nächste Folge aus Ludwigshafen ein ausgesprochener Kopper-Fall sein wird.

Und danach? Dann bekommen die "Tatort"-Gucker erneut einen Fall von Axel Ranisch vorgelegt, der auch gestern Regie führte. Die Dreharbeiten hierzu sind bereits beendet - erneut mit Improvisation, statt mit festem Drehbuch. 

Wie hat der Fall am Sonntagabend den Stimme-Lesern gefallen?

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Wie viele Zuschauer schalteten ein?

So schwach schnitt gemessen an der Publikumsresonanz bisher kaum ein anderer „Tatort“ ab: Lediglich 6,35 Millionen Zuschauer interessierten sich am Sonntagabend ab 20.15 Uhr im Ersten für den Krimi. Der Marktanteil betrug 17,6 Prozent.

Ein „Tatort“ im Ersten hat normalerweise zwischen acht und zehn Millionen Zuschauer. Schwächer als „Babbeldasch“ lagen in der jüngeren Vergangenheit im Juli 2015 der Schweizer „Tatort“ mit dem Titel „Schutzlos“ mit 6,12 Millionen Zuschauern und der österreichische Fall „Hiob“ im Juli 2010 mit 5,93 Millionen. Vor einem Jahr am Sonntag vor Rosenmontag kam der „Tatort: Sternschnuppe“ aus Österreich auf 9,4 Millionen Zuschauer. dpa