Energiegeladene Schaben aus den USA

Ludwigsburg  Papa Roach überzeugen mit Wucht und Emotion bei den 2500 Besuchern in der Ludwigsburger MHP-Arena.

Von Ranjo Doering

Mit Energie auf der Bühne. Foto: Doering

Der beste Moment des Konzerts ereignet sich kurz vor dem Ende. Jacoby Shaddix wird es bei der Zugabe auf der Bühne scheinbar zu langweilig. Kurzerhand erklimmt der Sänger mit einem schelmischen Grinsen und unter lautem Jubel den Sitzplatzbereich der MHP-Arena. Mit High Fives bei den Fans sorgt der charismatische Frontmann auf der Rollstuhlbühne für strahlende Gesichter.

Mit ihrem mittlerweile achten Studioalbum machten die US-amerikanischen Rocker von Papa Roach am Montagabend Station in Ludwigsburg und überzeugten 2500 Fans mit einer wuchtigen und energiegeladenen Show.

Über Nacht zu Weltstars geworden

Ein Blick zurück: Im April 2000 veröffentlichen Papa Roach ihr Debütalbum „Infest“ . Die Bandmitglieder werden über Nacht zu Weltstars: In den USA erhält die Platte dreifach-Platin, ihre bislang erfolgreichste Hit-Single „Last Resort“ springt auch in Deutschland auf Platz vier der Charts und erreicht Goldstatus. Inzwischen hat die Band weltweit mehr als 17 Millionen Alben verkauft. 

Auch 2017 funktioniert die Mischung der Amerikaner: Nu-Metal, Alternative Rock-Anleihen und Einflüsse aus dem Punk Rock verschmelzen bei Papa Roach zu eingängigen, melodischen  Songs. Der volltätowierte Jacoby Shaddix wuselt mit hochgestellter Igel-Frisur voller Power über die Bühne, wechselt zwischen Gesangs- und Rap-Einlagen und animiert die Fans zum Mitsingen.

Das Maskottchen in Form einer toten Schabe (Roach) prangt auf der Bass Drum des Schlagzeugs. Alte Songs wie „Between angels and insects“ wechseln mit Liedern der aktuellen CD „Crooked Teeth“. Die Liebe der Band zu verschiedenen Genres zeigt sich auch bei der Auswahl der Coversongs: „Jump Around“, der Klassiker der amerikanischen Rap-Ikonen House of Pain, gefolgt vom druckvollen Powerhit „Song 2“ der Britrocker Blur.

Emotionale Erinnerungen

Emotional werden Band und Fans, als Papa Roach bei „In the end“ in Erinnerungen an Linkin Park-Sänger Chester Bennington schwelgen. Der 41-Jährige war ein guter Freund der Band, im Juli diesen Jahres hatte er sich das Leben genommen. „Wir haben jemand Gutes verloren“, sagt Shaddix und erhebt den Zeigefinger in Richtung Himmel. „Chester, Chester“-Sprechchöre lautet die Antwort der Fans in der Arena.

Nach 90 Minuten sind nicht nur die schwarzen T-Shirts der Bandmitglieder durchgeschwitzt. Auch die Zuschauer haben alles gegeben. Manch einer schwelgt am Ausgang sogar in nostalgischen Gefühlen. „Das war der Wahnsinn. Genau wie Anfang der 2000er“, sagt ein Fan, wischt sich den Schweiß von der Stirn und tritt aus der Halle in die kühle Septembernacht.