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Whitney Houston in Stuttgart: Aus der Diva wird ein Mensch
Stuttgart - Übermenschlich groß wirkt das Gesicht, das da auf die Leinwand in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle geworfen wird. In schnellen Schnitten zeigt ein Videoclip die größten Momente aus der fast 30-jährigen Karriere eines Weltstars. Eine Biografie im Schnelldurchlauf. Die Diva soll noch einmal auferstehen. Doch als Whitney Houston mit ihrem rund 90-minütigen Konzert beginnt, wird auch in Stuttgart schnell klar, dass der perfekte Star der 80er und 90er Jahre nur noch in den Köpfen der Menschen existiert.Kratzige Stimme
Schon nach wenigen Minuten keucht und kämpft Houston sich durch ihre Songs. Ihre Stimme kratzt, längst hat sie die Höhen verloren, die Kraft. Bis zum Exzess koloriert Houston ihre Töne, schraubt jedes einzelne Wort hoch und runter. Immer wieder atmet sie ausgepowert ins Mikro, tupft sich schon vom zweiten Lied an mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Ausschnitt. Zwischen den Liedern erzählt sie teils minutenlange Episoden aus ihrem Kampf gegen das Leben, gegen Drogen, gegen einen prügelnden Mann.
Fans verlassen Halle
Viele Zuschauer irritiert das alles. Sie warten spürbar auf die großen Hits wie „I will Always Love you“ und „The Greatest Love of All“. Sie fühlen sich betrogen, als diese dann nur in abgespeckten Versionen zu hören sind. Einige pfeifen, viele andere verlassen die ohnehin nur zu gut zwei Dritteln gefüllte Halle. Bis zu 114 Euro hatten sie für ihr Ticket zur großen Samstagabend-Show gezahlt.
Doch diejenigen, die ausharren, feiern den Kraftakt ihres menschgewordenen Superstars. „I'm only human, can't you see?“ (Ich bin nur ein Mensch, seht Ihr das nicht?) singt Houston einmal - es wirkt so ehrlich, wie man es selten erlebt in der glattgebügelten Popwelt. Die treuen Fans belohnen jeden gelungenen Ton mit Zwischenapplaus und lassen sich berühren von der Intimität und Aufrichtigkeit, die ihr gefallener Engel von der Bühne herabstrahlt. Vielleicht hatten sie sich bereits auf jemand anderen eingestellt, als die technisch perfekte, aber immer auch ein wenig langweilige Virtuosin, die Houston einmal verkörperte.
Dabei scheint die frühere Perfektion in manchen Momenten doch noch einmal durch. Vor allem die schnelleren Songs können über die stimmlichen Schwächen gut hinwegtäuschen. Spätestens in der Zugabe ist die Stimmung der übrig gebliebenen Fans blendend. Als Houston schließlich ihr „I wanna Dance with Somebody“ zum Besten gibt, klatschen, jubeln und tanzen sie das ganze Lied hindurch. Es ist, als ob der Mensch auf der Bühne doch noch kurz verschwindet - und den Blick freigibt, auf den Weltstar, der dort früher einmal stand. dpa
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