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Plötzlich, unerwartet, jetzt
Von Gertrud Schubert
Heilbronn - Der 11. März 2009 hat sich in die Erinnerung jedes Einzelnen eingegraben. Wie erlebten die Teilnehmer des-Dialogs, Vertreter von Schule, Eltern und Polizei den Tag des Amoklaufs?
Schockiert
Laura Zuric (17), Schülerin am Theodor-Heuss-Gymnasium Heilbronn, weiß noch genau: Sie kam von der Schule heim, da rief ihre Mutter an: "Mach mal den Fernseher an. Ich wusste gar nicht, was ich davon halten sollte. Ich war ziemlich schockiert." Laura hatte "sehr große Angst", schließlich war der Amokläufer noch unterwegs.
So nah
Jutta Dongus, die Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Heilbronn, wurde in der Mittagspause beim Einkaufen von der entsetzlichen Nachricht überrascht. Sie eilte nach Hause, informierte sich übers Internet. "Auf einmal so nah", schoss es ihr durch den Kopf: "Winnenden ist doch nur einen Steinwurf entfernt." Ihre Gefühle: "Blankes Entsetzen" und "Trauer, dass die Menschen umgekommen sind".
Chaotische Lage
Roland Eisele, der Leiter der Heilbronner Polizeidirektion, hatte am 11. März frei und verhandelte mit einem Architekten, als er von dem Amoklauf benachrichtigt wurde. Das Gespräch konnte er natürlich vergessen. Eisele erinnert sich, wie ständig die Todeszahlen nach oben korrigiert wurden. "Die Lage war unklar. Atypisch, dass der Täter geflüchtet war. Wieder ein Wahnsinnsfall." Der Polizeichef zog Parallelen zum Polizistinnenmord, der Heilbronn zum Erliegen gebracht hatte. Jetzt also Winnenden. Im Fachjargon spricht die Polizei von "chaotischer Lage". Genau so war es: "Plötzlich und unerwartet und vor allem jetzt." Eisele erzählt von großer Aufregung und dem Aufbruch Heilbronner Polizisten in den Rems-Murr-Kreis, nach Winnenden. Wer dort Eltern betreute, hatte es besonders schwer: "Es ist nicht schön, wenn man sagen muss: Ihr Kind ist es. Ist tot."
Diffuse Angst
"Kann das bei uns auch passieren?" Die Frage hat Jutta Lohrsträter-Wienker, die Sozialarbeiterin an der Peter-Bruckmann-Schule, oft gehört. Wer hat sich das nicht gefragt? Wer wusste eine Antwort? Nach dem Amoklauf waren die Schülerinnen und Schüler besorgt und meldeten einfache Beobachtungen: "Da ist jemand, der hat mich böse angeguckt. Könnte der vielleicht Amok laufen?" Solch diffuse Angst aufzufangen, war − und ist − Aufgabe der Schulsozialpädagogin.
Einfach reden
Mike Rüb (18) hatte Nachmittagsunterricht und erfuhr erst spät, als er zuhause war, von dem Amoklauf. Tags darauf konnte im Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium Heilbronn "von normalem Unterricht weniger die Rede sein. Wir wollten einfach reden, man hat was komplett anderes im Kopf als Bio und Mathe." Angst, sagt Mike Rüb, dass in seiner Schule ein Amoklauf passieren könnte, habe er niemals gehabt, aber er spürte: "Es war eine angespanntere Situation."
In einer Realschule
Norbert Jung war in der Schule, als die Amok-Nachricht eintraf. Als Rektor einer Realschule, der betroffenen Schulart, war er erst recht entsetzt. Besonders beunruhigte ihn, dass der Täter noch in Freiheit war: "Das macht natürlich schon erhebliche Sorgen." Angst hatte er allerdings keine: "Von Angst würde ich auf keinen Fall sprechen, sie würde ja alles lähmen, das wollen wir nicht, wir wollen reaktionsfähig bleiben."
Amoklauf Winnenden | STIMME.tv
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