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Albertville-Realschüler wieder unter einem Dach
Von Julia Giertz
Winnenden - Sie grölen, lachen und hämmern aus den Fenstern heraus mit ihren Armen gegen die Wände ihrer neuen Schule. Knapp zehn Wochen nach dem Amoklauf an der Winnender Albertville-Realschule nehmen die Schüler ihr neues Container-Domizil im wahrsten Wortsinn in Beschlag: Die rund 600 Kinder und Jugendlichen sowie 70 Lehrer sind nach dem Unterricht an sechs verschiedenen Standorten in den Container-Komplex in Sichtweite ihrer alten Schule zurückgeholt worden.
Bereits gestern Vormittag prangten an einem der Fenster des nüchternen eingeschossigen Baus, der neben einem Sportstadion und einer Skater-Anlage liegt, die ersten Papierblumen. Für die zum Teil traumatisierten Kinder markiert der erste gemeinsame Unterricht nach dem schrecklichen 11. März eine Zäsur, einen Schritt zur Normalität: mit dem gewohnten Weg zur Schule, dem regulären Stundenplan und vor allem Tür an Tür mit allen Lehrern und Mitschülern.
Psychologe Thomas Weber sagt: „Die Wiederherstellung der Schulgemeinschaft ist der erste wichtige Baustein in der psychologischen Nachsorge.“ Der Wunsch der Schüler sei groß, wieder einen normalen Alltag zu erleben. Am Eingang der Schule aus 165 Containern werden die Schüler herzlich empfangen. „Wir freuen uns, dass ihr wieder da seid“, ist auf einem Transparent der Schulleitungen, Kollegien, Eltern und Schüler der Schulen in Winnenden zu lesen.
Doch die für eine Million Euro errichtete Schule ist nur eine Übergangslösung. Denn obwohl im alten Schulgebäude acht Schülerinnen, ein Schüler und drei Lehrerinnen im Kugelhagel sterben mussten, ist die Rückkehr beschlossene Sache. Ein Arbeitskreis mit Vertretern von Schülern, Eltern, Kultusverwaltung und Psychologen hat sich einhellig für die Sanierung und Erweiterung der Schule ausgesprochen. Die Ausschreibung für den Umbau soll im kommenden Jahr erfolgen. Zu welchem Termin die Schule dann wieder bezogen werden kann, ist noch unklar.
Die Elternbeiratsvorsitzende Annette Frik-Helber erläutert die Motive für den geplanten Wiedereinzug in die alte Schule: „Er (der Täter) hat uns viel genommen, aber jetzt nicht auch noch unsere Schule. Diese Schule lassen wir uns nicht nehmen.“ Der Zusammenhalt an der Schule sei schon immer gut gewesen. „Wir merken auch jetzt, dass diese Gemeinschaft uns trägt.“
Wie tief die Angst nach dem Blutbad sitzt, zeigt der Wunsch der Schüler nach mehr Polizeipräsenz in und um die neue Schule. Während der Unterrichtszeit macht ein privater Sicherheitsmann Kontrollgänge. Die zwei Eingänge zu dem U-förmigen Ensemble werden per Videokameras überwacht.
Amoklauf Winnenden | STIMME.tv
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