11.03.09 | Amoklauf von Winnenden


 
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Amokprozess - Tim K. liebte Poker und Horrorfilme

Von Tatjana Bojic


Stuttgart  - Der Amokläufer von Winnenden ist nach Recherchen der Polizei kein Mobbing-Opfer gewesen. „Der Tim wurde geärgert wie andere Schüler auch“, sagte der ermittelnde Beamte der Polizeidirektion Waiblingen, Thomas Neumann, vor dem Landgericht Stuttgart am Donnerstag. Von Schülern und Lehrern sei der 17-Jährige übereinstimmend als unauffällig, eher passiv, zurückgezogen und mittelmäßig bis schlechter Schüler beschrieben worden.

Tim K. sei häufig versetzungsgefährdet gewesen und habe Nachhilfeunterricht erhalten. Einer Nachhilfelehrerin habe der Jugendliche erzählt, er habe Versagensängste, fühle sich von Lehrern ignoriert und nicht ernst genommen. „Tim K. hatte Schwierigkeiten, auf Menschen zuzugehen“, zitierte Neumann aus den Ermittlungsakten eine Nachhilfelehrerin.

Am dritten Verhandlungstag waren nur noch wenige Nebenkläger im Saal anwesend. Der Vater des Amokläufers muss sich seit der vergangenen Woche wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz vor dem Gericht verantworten. Der 51-jährige Sportschütze wird beschuldigt, die Tatwaffe rechtswidrig im unverschlossenen Schlafzimmerschrank aufbewahrt zu haben. Sein Sohn hatte mit der Pistole am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst getötet.

Mit der Waffe hatte Tim K. nach Auskunft von Neumann auch im Schützenverein seines Vaters geschossen. Der Junge sei mit seinem Vater viermal dort gewesen, jedoch sei nur ein einziger Besuch im Schießbuch eingetragen gewesen. Seine letzte Schießübung war zwei Wochen vor der Tat. Die Nebenklage will klären, ob Tim K. darüber hinaus im Verein war. Auskunft soll darüber ein Mitarbeiter des Vereins geben, der als Zeuge geladen werden soll. Die Polizei fand an den Tatorten in Winnenden und Wendlingen 113 Patronenhülsen und 171 nicht abgefeuerte Patronen.

Vor Gericht geklärt werden soll noch, wie der Schüler an diese Menge Munition kommen konnte. Nachermittlungen der 3. Jugendkammer ergaben, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass Tim K. die Zahlenkombination des Waffentresors seines Vaters kannte. Denn: Hätte der 17-jährige den achtstelligen Code gekannt, wäre er auch dann an die Mordwaffe und Munition gekommen, wenn sein Vater sie wie vorgeschrieben im Safe verschlossen hätte. Dann wäre der Verstoß des Vaters gegen das Waffengesetz nicht die Ursache für das Massaker seines Sohnes gewesen. Die entscheidende Frage des Prozesses ist: Hat der Vater eine Ursachenkette angestoßen, die zum Amoklauf führte? Wenn ja, droht ihm auch eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung.

Nach dem Amoklauf hatte die Polizei das Elternhaus von Tim K. durchsucht und auch seinen Computer ausgewertet. Dabei waren mehrere Gewaltfilme und Computer-Ballerspiele wie „Counter-Strike“ gefunden worden, jedoch „keine Hinweise mit direktem Tatbezug“, erklärte Neumann. Der junge Mann begeisterte sich außerdem für das Pokern.

Der 17-Jährige informierte sich vor der Tat über die Amokläufe am Erfurter Gutenberg-Gymnasium 2002 und an der Columbine High School in Littleton (Colorado/USA) 1999. Er recherchierte im Internet unter anderem zum Thema Massenmord, und zum Terror-Anschlag vom 11. September 2001 in New York. Auf dem Rechner des 17-Jährigen wurden auch Pornobilder mit sado-masochistischen Szenen gefunden. Abschließend gab Neumann bekannt, dass Tim K. seine Tat definitiv nicht zuvor im Internet angekündigt hatte. „Ermittlungen haben ergeben, dass der Beitrag nachträglich eingestellt wurde.“ Der Prozess wird am 28. September fortgesetzt.

23.09.2010


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Amoklauf Winnenden | STIMME.tv






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