Impulsgeber Jäger schimpft auf BDR

Radsport  Der Macher der Radsport-Rennen in Auenstein sieht beim deutschen Verband kein taugliches Förderkonzept.

Von Andreas Öhlschläger

Impulsgeber Jäger schimpft auf BDR
Herum um die Ecke, hinein in den Anstieg: Die Talente der U 19 beim Bundesliga-Rennen im Rahmen der Auensteiner Radsporttage. Foto: Mario Berger

Johann Jäger blickte ins Leere. Gerade war die Spitzengruppe des Rennens der Frauen und Juniorinnen vorbeigezischt, jetzt hätte vielleicht ein Verfolgerfeld auftauchen können − aber es kam keines. Lange nicht.

Johann Jäger ist der Macher der Auensteiner Radsporttage. Jahr für Jahr holt er die deutschen Top-Talente in den Ilsfelder Ortsteil. Zuletzt versuchte er mit Leidenschaft, dem in Deutschland ganz besonders darbenden Frauen-Radsport mit internationalen Starterfeldern Impulse zu geben. Aber der Renn-Veranstalter in der Provinz fragt sich, was das alles noch soll.

 Zu wenig Anschubleistung

Jäger sieht beim Bund Deutscher Radfahrer (BDR) viel zu wenig Anschubleistung, um den nachwachsenden Kräften bestmögliche Entwicklungsmöglichkeiten zu geben. "Da kommen keine Ideen, da passiert nix."

In den vergangenen Jahren hatte Johann Jäger Frauen aus vielen Ländern zu den Radsporttagen geholt und den Sponsoren zusätzliche Prämien abgeschwatzt, um den deutschen Rennfahrerinnen ein forderndes und förderndes Umfeld zu bieten. "Und dann fahren von den Deutschen viele nach dem ersten Tag heim, weil sie nicht mithalten konnten." Warum also den ganzen Aufwand noch betreiben?

Große Unterschiede

Am vergangenen Wochenende gab es keinen internationalen Touch mehr, auch die großen deutschen Namen, die sich in Auenstein schon getummelt hatten, Lisa Brennauer oder Trixi Worrack, waren nicht mehr da. Zwei Bundesliga-Rennen der Frauen und Juniorinnen wurden ausgetragen, eines am Samstag, eines am Sonntag. An der Spitze war das richtig guter Sport − aber dann fiel das Leistungsniveau schnell deutlich ab. Johann Jäger sagt: "Es braucht vom BDR ein Konzept über fünf, sechs Jahre, das Hand und Fuß hat." Ansonsten sieht er schwarz für den weiblichen Radsport in Deutschland. "Der BDR braucht Ideen, um Frauen, die Triathlon machen, für den Radsport zu gewinnen."

Die Rennen in Auenstein wurden von ganz wenigen Fahrerinnen bestimmt. Bei den Frauen gewann Claudia Lichtenberg beide Tageswertungen; Beate Zanner wurde jeweils Zweite. Bei den Juniorinnen triumphierte Franziska Koch zwei Mal; Katharina Hechler wurde erst Zweite, am Sonntag dann Dritte − sie ist Spitzenreiterin der Bundesliga-Gesamtwertung.

Anstieg durch die Weinberge

Dass Claudia Lichtenberg in Auenstein so dominant war, liegt an der Streckencharakteristik. Der stetig wiederkehrende Anstieg durch die Weinberge hinauf in Richtung der Ruine Helfenberg geht mächtig in die Beine. Da kommen aufs ganze Rennen gesehen viele kraftraubende Höhenmeter zusammen. Lichtenberg ist eine Kletter-Expertin.

Bei den männlichen U 19-Talenten gewann Straßen-Vizeweltmeister Niklas Märkl am Sonntag auf der längeren Distanz. Als Solist kam er ins Ziel, mit mehr als einer Minute Vorsprung. Märkl baute damit seine Gesamtführung im Bundesliga-Klassement aus. "Dass er als Sprinter auf diesem bergigen Terrain dem Feld so davonfahren konnte, war echt stark", sagte Udo Sprenger, der Vizepräsident des BDR. Am Samstag hatte Lukas Baldinger vor Märkl gewonnen.