Ein Aufstieg mit dreiminütiger Verzögerung

Fußball  Der SV Leingarten verliert das entscheidende Relegationsspiel gegen Fellbach mit 0:3, trotzdem steht der Aufstieg in die Landesliga fest. Kurios? Durchaus.

Von Stephan Sonntag

Ein Aufstieg mit dreiminütiger Verzögerung
Das verlorene Spiel gegen Fellbach war schnell vergessen, umgehend schalteten die Leingartener von Enttäuschung auf Enthusiasmus.Fotos: Stephan Sonntag

Die Situation nach dem Schlusspfiff in Schwaikheim war unwirklich. Klar, die Spieler des SV Fellbach jubelten nach ihrem 3:0 (0:0)-Sieg im Relegationsspiel gegen den SV Leingarten. Der Landesliga-Klassenerhalt war nach dem souveränen Auftritt vor 630 Zuschauern geschafft.

Doch die Leingartener schlichen keineswegs tief enttäuscht vom Feld. "Alle herkommen, macht einen Kreis. Wir harren jetzt nochmal drei Minuten aus und dann dürft ihr feiern ohne Ende", forderte Matthias A’Tellinghusen seine Mannschaft auf.

Anderes Ergebnis in der Relegation ist entscheidend

Hatte der SVL-Trainer zu viel Sonne abbekommen? Keineswegs. Es ging nur darum, die letzten Minuten der Partie zwischen der TSG Backnang und dem Freiburger FC abzuwarten. Durch einen 4:1-Sieg sicherten sich die Backnanger den Aufstieg in die Oberliga, nachdem das Hinspiel noch mit 2:3 verloren wurde.

Als im Liveticker der Schlusspfiff im Freiburger Dietenbach-Sportpark vermeldet wurde, brachen bei den Leingartenern alle Dämme. "Landesliga, Landesliga", skandierten die Spieler. Denn durch den Backnanger Aufstieg bekommt Rutesheim (Zweiter Landesliga 1) den freigewordenen Platz in der Verbandsliga und Leingarten rückt für den SKV in die Landesliga nach.

Vorfreude auf Derbys

Den Aufstieg auf dem Feld verpasst, aber durch Schützenhilfe zwei Ligen weiter oben doch geschafft. Wie fühlt sich das an? "Schon ein bisschen seltsam, aber letztlich haben wir es uns in den beiden vorherigen Relegationsspielen verdient. Wir waren der beste Zweitplatzierte in den Bezirksligen", sagte A’Tellinghusen. Seine Spieler waren da schon voll im Feiermodus mit ihren treuen Fans. Dem künftigen Derbygegner kündigte sich die lautstarke Gemeinschaft mit "Scheiß SV Schluchtern" an und dem zweiten Gewinner des Tage gab man ein "Fellbach, wir hören nichts" mit in die neue Saison.

Keine Frage, auf den Rängen waren die Leingartener mehr als eine Klasse besser als die Fellbacher, die über 90 Minuten tatsächlich nicht einmal zu hören waren. Auf dem Platz aber, war ebenfalls ein Klassenunterschied erkennbar − nur umgekehrt. "Wir können nicht innerhalb von einer Woche auf Landesliga-Niveau hochfahren. Nach einer sechswöchigen Saisonvorbereitung wird das anders aussehen", versicherte A’Tellinghusen.

Wenig Angriffswirbel beim SVL

Dass der SV Fellbach das Spiel aller Wahrscheinlichkeit nach kontrollieren würde, war nicht anders erwartet worden. Schon in den ersten beiden siegreichen Relegationsspielen war Leingarten nicht unbedingt die überlegene Mannschaft gewesen, aber zweifellos die effektivere. Allerdings aus null Chancen kann höchstens Real Madrid mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo Tore erzielen. Ein Schuss von Markus Herrmann von der Strafraumgrenze war die einzige Bewährungsprobe für Fellbachs Keeper Philipp Gutsche. Das war in der 68. Minute, und der SVL erhielt daraufhin seinen ersten Eckball.

Ein Aufstieg mit dreiminütiger Verzögerung
Waren auch in Schwaikheim wieder zahlreich, farbenfroh und lautstark vertreten: die Fans des SV Leingarten.

"Wir wollten dem Spiel von Beginn an unseren Stempel aufdrücken. Das hat die Mannschaft super umgesetzt", lobte Fellbachs Coach Marco Fischer sein Team. In den ersten 45 Minuten führte die spielerische Überlegenheit noch nicht zu klaren Chancen. "Wir wussten, dass wir geduldig sein müssen", sagte Fischer.

Diese Ruhe zahlte sich aus, als Robin Binder in der 54. Minute einmal mehr über die linke Seite Druck machte und in der Mitte Mustapha El M’Hassanis Kopf fand. Das verdiente 1:0 für den Landesligisten. Mit einer schönen Einzelaktion zum 2:0 (76.) entschied Philipp Röseke die Partie. "Nach dem 0:2 war ich nur noch auf das Spiel in Freiburg fixiert", gab sogar A’Tellinghusen zu.

Der Coach war immer über die Zwischenstände informiert, die Mannschaft allerdings nicht. Anhand des scheinbar unbegründeten zwischenzeitlichen Jubelausbruchs ihrer Anhänger dürften sie aber erahnt haben, dass Backnang auf der Siegerstraße sein dürfte. Das 3:0 (89.) durch El M’Hassani war nur noch eine Randnotiz.

SV Fellbach: Gutsche - Ackermann, Doser, Miller, Binder, Mutic (87. Hörterich), Mosca, Röseke (85. Schulz), El M’Hassani (89. Saltarelli), Plaste, Marx

SV Leingarten: Friedrich - Geiger, Beckbissinger (64. Weigelt), Czok, Hartmann, D. Rieker, Titzmann, Karr, Gashi (79. Wiedmann), Hauff (54. Schmidt), N. Rieker (87. Hartmann).

Tore: 1:0 (54.) El M’Hassani, 2:0 (76.) Röseke, 3:0 (89.) El M’Hassani.

Schiedsrichter: Philipp Herbst (Reutlingen).

Zuschauer: 630.