Neumayer auf Wolke sieben nach Vancouver

Von Eric Dobias, dpa

Nach dem zweiten Podestplatz seiner Karriere fliegt Michael Neumayer auf Wolke sieben zu den Olympischen Winterspielen. Mit dem dritten Platz bei der Olympia-Generalprobe in Willingen bescherte Neumayer den deutschen Skispringern ein Erfolgserlebnis vor dem Saison-Höhepunkt.

Gute Leistung
Michael Neumayer freut sich über den dritten Platz in Willingen. 

Dafür erhielt Neumayer ein dickes Lob von Bundestrainer Werner Schuster. «Bisher konnte keiner aus dem Team wirklich brillieren. Nun hat sich endlich einer hervorgetan. Das war unheimlich wichtig und tut der gesamten Mannschaft gut», sagte Schuster.

Beim Neujahrsspringen der Vierschanzentournee 2008 hatte Neumayer - auch damals als Dritter - zum bisher einzigen Mal auf dem Podest gestanden. In Willingen genoss er dieses Gefühl vor 16 000 begeisterten Fans daher in vollen Zügen. «Das war ein sehr, sehr schöner Tag. Ich bin total happy. Vor dieser tollen Kulisse zu springen, war eine Riesen-Gaudi», sagte der 31-Jährige.

Die Steigerung des Routiniers kommt eine Woche vor den Winterspielen in Vancouver und Whistler zur rechten Zeit, stärkt sie doch das Selbstvertrauen der gesamten Mannschaft für die Medaillen-Mission. «Es ist schön, dass es so kurz vor Olympia den erhofften Tick besser wird. Ich bin zur Zeit sehr locker und hoffe, dass es so weiter geht und Spaß macht», sagte der Berchtesgadener.

Mit Sprüngen von 140,5 und 141 Metern musste Neumayer nur dem siegreichen Österreicher Gregor Schlierenzauer und Anders Jacobsen aus Norwegen den Vortritt lassen. «Es freut mich sehr für ihn. Ich schätze diesen Erfolg hoch ein, auch wenn einige Top-Leute gefehlt haben. Michael hat gezeigt, wozu er imstande ist», erklärte Schuster.

Der Bundestrainer hatte den eigenständigen, manchmal auch eigenwilligen Steuerfachgehilfen, der außerhalb der Saison in der väterlichen Steuerkanzlei arbeitet und seit 2004 ein BWL-Studium an der Fachhochschule in Kempten absolviert, schon vor dem Olympia- Winter ganz oben auf der Rechnung. «Dass er das Potenzial hat, war ja klar. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass er unser bester Springer ist. Doch dann ist er fast ins Bodenlose gefallen. Es ist toll zu sehen, wie er sich zuletzt gesteigert hat», meinte Schuster.

Neumayer war mit großen Ambitionen in die Saison gestartet, nachdem er im Herbst richtig gut drauf war. Doch er konnte die Form nicht in den Winter herüberbekommen. «Ich bin dann in ein Loch gefallen, aus dem ich mich jetzt wieder herausgebuddelt habe», sagte er. Nach zwei WM-Medaillen mit der Mannschaft träumt er in Vancouver bei seiner letzten Chance nun auch von olympischem Edelmetall. «Wir wollen um die Team-Medaille springen», betonte Neumayer.

07.02.2010


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