Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Springer träumen zum Olympia-Auftakt von Medaille
Von Eric Dobias, dpa
Die deutschen Skispringer sind praktisch über Nacht von krassen Außenseitern zu aussichtsreichen Geheimfavoriten avanciert.
Der wieder erstarkte Martin Schmitt und Michael Uhrmann träumen gleich in der ersten Entscheidung der Winterspiele von einem Medaillen-Coup. Nach einer starken Vorstellung im Abschlusstraining gelten die Routiniers im Olympia-Wettbewerb auf der Normalschanze urplötzlich als Anwärter auf Edelmetall, das eigentlich erst für den Team-Wettkampf als Ziel ausgegeben worden war. «Wir sind guten Mutes», sagte Bundestrainer Werner Schuster.
Während die Top-Favoriten Simon Ammann (Schweiz) und Gregor Schlierenzauer (Österreich) im letzten Training deutlich hinter dem deutschen Duo landeten, untermauerten Anders Jacobsen aus Norwegen und der Pole Adam Malysz ihre Ambitionen auf den Olympiasieg. Der scheint für Schmitt und Uhrmann, die 2002 in Salt Lake City gemeinsam Team-Gold holten und im Wettbewerb durch Michael Neumayer und Olympia-Debütant Pascal Bodmer flankiert werden, außer Reichweite. Im Kampf um einen Podestplatz könnten die beiden Routiniers jedoch ein gewichtiges Wörtchen mitreden.
Vor allem Uhrmann überzeugte mit den Plätzen zwei und fünf. «Ich möchte noch einmal auf dem Podium jubeln», hatte der 31 Jahre alte Familienvater mit Blick auf die Mannschafts-Entscheidung verkündet. Nun ist der Olympia-Vierte von 2006, der damals Bronze um die Winzigkeit von 0,5 Punkten verpasste, bereits im Einzel auf dem Sprung nach ganz vorne. «Mit seinem außerordentlichen Fluggefühl kann er immer wieder für Glanzlichter sorgen. Michael hat Kontakt zur Weltspitze, aber nicht den Druck eines Top-Favoriten. Mit seiner Routine kann er für eine Überraschung sorgen», sagte Schuster.
Auch Vize-Weltmeister Schmitt lag mit Rang fünf und neun in Reichweite zur Spitze. Der 31-Jährige scheint nach einer bisher verkorksten Saison auf den Punkt topfit zu sein. «In meiner speziellen Vorbereitung habe ich alles für einen Erfolg in Whistler gegeben. Ich fühle mich frisch und will meine Chance nutzen», verkündete er. Die vierwöchige Wettkampfpause wegen eines Erschöpfungssyndroms hat der Mannschafts-Olympiasieger von 2002 intensiv genutzt, um sich körperlich in Höchstform zu bringen. Die nötige Abgeklärtheit, um bei seinen vielleicht letzten Olympischen Spielen zu bestehen, besitzt er ohnehin.
Schmitt wirkt relaxt und strahlt wieder die Souveränität des Vorjahres aus, die ihm zu Saisonbeginn abhandengekommen war. «Ich mache mir keinen Druck, von wegen letzte Chance oder so. Das blende ich komplett aus. Ich sehe das entspannt», sagte er. Für Schuster bringt der viermalige Weltmeister ein Jahr nach WM-Silber alle Voraussetzungen für einen neuerlichen Paukenschlag mit: «Martin ist ein Mann für Großereignisse und weiß, wie man gewinnen kann. Er ist von der Psyche dafür geeignet, hat das in seinem Selbstverständnis drin. Ihn zeichnet eine Kaltschnäuzigkeit aus, jede sich bietende Chance zu nutzen.»
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