DSV-Adler setzen aufs Team

Von Eric Dobias, dpa

Als Skisprung-König Simon Ammann nach seinem historischen Flug auf den Olympia-Thron eine rauschende Siegesparty feierte, versuchten Deutschlands gerupfte «Adler» im stillen Kämmerlein die Köpfe für den Teamwettbewerb frei zu bekommen.

Einbruch
Martin Schmitt ist gefortdert, wenn das deutsche Team eine Medaillen gewinnen will. 

Zwar sorgte Michael Neumayer beim zweiten Gold-Double des Schweizer Überfliegers nach 2002 mit Platz sechs für einen kleinen Hoffnungsschimmer. Die Stimmung seiner abgestürzten Teamkollegen vermochte er damit aber kaum aufzubessern. «Michi hat es super durchgezogen. Für die anderen drei war es frustrierend. Sie wollten über ihre Verhältnisse springen und sind wie Steine vom Himmel gefallen», bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster das ernüchternde Ergebnis auf der Großschanze von Whistler.

Unbeeindruckt vom Psychokrieg um seine neue Bindung gewann Ammann als erster Skispringer überhaupt zum vierten Mal Gold in einem olympischen Einzel-Wettbewerb und übertrumpfte damit sogar Finnlands Legende Matti Nykänen, der seinen vierten Olympiasieg mit der Mannschaft geholt hatte. «Was hier abgegangen ist, war extrem voll geil. Dass ich von Anfang an diese Kraft hatte, ist magisch», sagte Ammann. Mit 144 und 138 Metern verwies er wie schon auf der Normalschanze Polens Altmeister Adam Malysz und Österreichs Jahrhunderttalent Gregor Schlierenzauer auf die Plätze.

Michael Uhrmann (25.), Andreas Wank (28.) und Martin Schmitt (30.) schlichen dagegen mit hängenden Köpfen davon. «Wir drei nehmen nicht das beste Gefühl mit. Wir müssen uns jetzt auf die Hinterbeine stellen», sagte Uhrmann mit Blick auf die Team-Entscheidung am 22. Februar. Trotz des Einbruchs ist er wie Schmitt neben Neumayer gesetzt. «Ohne sie geht es nicht», bekräftigte Schuster. Den vierten Startplatz im Team vergab er an Wank, der damit wie im Einzel den Vorzug vor Pascal Bodmer erhielt.

Den schwachen Gesamt-Auftritt der Mannschaft hakte Schuster schnell ab. «Wir waren in der Saison so gut wie nie auf dem Podest, deshalb wäre es hier eine Überraschung gewesen. Zwei Top-Sechs- Platzierungen in zwei Wettbewerben sind für unseren Leistungsstand okay. Jetzt gilt es, die Kräfte zu sammeln und die Mannschaft offensiv anzupacken», meinte er.

Vor allem Schmitt und Uhrmann, die vor acht Jahren schon Mannschafts-Gold holten, sind gefordert. «Bei mir kam irgendwie schon am Freitag der Bruch. Jetzt muss ich versuchen, wieder die Kurve zu kriegen», sagte Schmitt. «Klar haben wir uns heute sicherlich nicht in den Favoritenkreis gesprungen. Aber Bangemachen nützt nichts. Wenn jeder an seinem Optimum springt, dann schaut es auch gut aus.»

Auch Schuster wollte sich durch den Rückschlag nicht entmutigen lassen und hält am Medaillenziel fest. «Wir haben alles darauf ausgerichtet, eine gute Stimmung im Team und sind nach wie vor zuversichtlich, dass wir das schaffen können. Die Athleten wissen, sie brauchen sich jetzt gegenseitig, um einen tollen Erfolg einzufahren», meinte der Bundestrainer.

Als Fixpunkt dient dabei Neumayer, der in beiden Durchgängen mit jeweils 130 Metern überzeugte. «Das Ergebnis macht mich sehr stolz. Mein größter Erfolg bleibt immer noch der dritte Platz bei der Vierschanzentournee. Aber Sechster bei Olympischen Spielen hört sich auch nicht schlecht an. Damit kann man später mal ein bisschen vor seinen Kindern angeben», sagte der Berchtesgadener.

Mit der Mannschaft will er nun unbedingt Edelmetall gewinnen und setzt daher auf eine Trotzreaktion seiner Mitstreiter. «Ich hoffe, dass wir am Montag alle mit einem Lächeln an die Schanze zurückkehren und unseren Traum von der Medaille wahr machen können», sagte Neumayer.

22.02.2010


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