Ammann gewinnt Psychokrieg - Jury gibt Okay

Der Schweizer Überflieger Simon Ammann ist aus dem Psychokrieg mit Österreichs Skispringer als Sieger hervorgegangen - und hat auch in der Qualifikation der Alpen-Konkurrenz eine lange Nase gezeigt.

Streitobjekt
Ilkka Tuomikoski, Erfinder von Simon Ammanns Bindungstyp, präsentiert sein Werk. 

Im Streit um die Skibindung des dreifachen Olympiasiegers gab der Weltverband FIS Entwarnung, nachdem Ammann auf der Großschanze mit 140 Metern geglänzt hatte. «Die FIS hat das Material gecheckt. Es ist nicht möglich, dagegen zu protestieren», erklärte Ammann mit Genugtuung.

Dass die Jury die Bindung als regelkonform abgenommen hat, bestätigte auch Renndirektor Walter Hofer. Die Schweizer selbst hätten ein Prüfung des Materials beantragt. Zuvor gab es viel Aufregung: Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner drohte mit einem Einspruch, wenn Ammann wie schon bei seinem Triumph auf der Normalschanze mit einer neuartigen Ski-Bindung antreten sollte. «Die Lage hat sich entspannt. Es war aber richtig, der Sache nachzugehen. Denn es ist wichtig, zu wissen, wie das in Zukunft gehandhabt wird», meinte Pointner nach der Entscheidung.

Tags zuvor hatte er sich noch weniger handzahm angehört. «Wir verlangen von der Schweizer Mannschaft, dass sie das modifizierte Bindungssystem zurückzieht. Sonst werden wir nach dem ersten Wertungsdurchgang Protest einlegen», kündigte der Chefcoach an. Hofer betonte jedoch bereits vor dem Ausscheidungsspringen: «Bis zum heutigen Tag haben unsere Kontrolleure keine Regelverletzung festgestellt.» Spätestens 15 Minuten nach ersten Durchgang hätte das Austria-Team einen Einspruch einlegen müssen, doch Dieter Thoma, der Team-Olympiasieger von 1994 und ARD-Experte, ahnte gleich: «Die Österreicher haben keine Chance.»

Die Eidgenossen dachten gar nicht daran, auf die Forderungen der Österreicher einzugehen. «Ich weiß nicht, was da nicht in Ordnung sein soll. Simon wird am Samstag mit der gleichen Bindung springen», sagte der Skisprung-Teamchef Gary Furrer. Die verbalen Querschüsse von der anderen Alpenseite könne er nicht nachvollziehen. «Das ist eine Respektlosigkeit und eine für Österreich eher peinliche Angelegenheit. Es spricht nicht gerade für einen guten Stil», schimpfte Furrer und stellte klar: «Es handelt sich dabei nur um eine Justierung, welche beinahe jeder Skispringer an seiner Bindung vornimmt. Die Bindung ist völlig normal. Es ist alles regelkonform.» Ammann verwies darauf, dass schon andere mit dem Material gesprungen seien - «bloß keine Weltklasse-Leute, deshalb hat das so Wellen geschlagen». Als persönlichen Angriff sehe er das alles nicht, «ich habe mit den anderen Athleten immer ein gutes Verhältnis».

«Ich glaube, den Simon beeindruckt diese Diskussion nicht», meinte der deutsche Skisprung-Routinier Martin Schmitt. Auch Bundestrainer Werner Schuster geht nicht von einem Regelverstoß aus, da Ammann die Bindung bereits kurz vor Olympia bei seinem Weltcupsieg in Klingenthal nutzte. «Danach war doch klar, dass er das Material auch hier springt. Vor Großereignissen versucht halt jeder, noch etwas rauszukitzeln», meinte Schuster. Er ist sich aber sicher, dass die von Ammann vorgenommene Modifikation Vorteile bringe. «Das hilft ihm schon, schneller in die Flugposition zu kommen.» Die deutsche Delegation verhalte sich neutral - und konzentriere sich auf die Sprünge.

19.02.2010


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