Kleiner Schweizer ganz groß: Ammann fliegt zu Gold

Von Eric Dobias, dpa

Skispringer Simon Ammann reckte immer wieder die geballten Fäuste in den tristen Himmel von Whistler, hüpfte wie ein Flummi durch den Auslauf und verneigte sich schließlich demütig vor der kleinen Schanze im Callaghan Valley.

Olympiasieger
Simon Ammann mit seiner Goldmedaille. 

Acht Jahre nach dem doppelten Triumph in Salt Lake City bejubelte der kleine Schweizer mit dem großen Kämpferherzen den dritten Olympiasieg, der ihn auf eine Stufe mit Jens Weißflog stellt. «Das war ein unglaublicher Tag. Das ist das Höchste, was mir hier gelungen ist. Das möchte ich mit nichts eintauschen», sagte Ammann mit bewegter Stimme.

2002 war der damals 20-Jährige nach seinen zwei Gold-Flügen in Amerika als «Harry Potter» gefeiert worden. Anno 2010 wirkt Ammann zwar immer noch wie ein großer Junge, aber deutlich gereifter. «Damals bin ich als Neuling ohne Erwartungen gekommen. Jetzt war es total anders, gab es viel Druck», erklärte Ammann. Dass er in seiner Karriere oft Glück gehabt habe, sei ihm viel wert. «Seit gestern weiß ich, wie hart das Leben sein kann, und dass man solche Momente schätzen muss», sagte er mit Blick auf den tödlichen Rodel-Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili am Eröffnungstag der Winterspiele.

Dass er seiner außergewöhnlichen Skisprung-Karriere ein weiteres Erfolgskapitel hinzufügen konnte, erfüllte Ammann mit Stolz. «Es freut mich unheimlich, nach acht Jahren wieder diese konzentrierte Energie auf die Schanze gebracht zu haben. Das wollte ich solange wie möglich genießen», beschrieb er seine Gefühle nach dem dritten Gold- Coup. Lediglich Finnlands Skisprung-Legende Matti Nykänen ist mit vier Olympiasiegen erfolgreicher als Ammann.

Der lieferte mit Sprüngen von 105 und 108 Metern eine beeindruckende Vorstellung ab, die auch die Deutschen nicht kalt ließ. «Wenn du dreimal Olympiasieger bist, ist das unglaublich», meinte der fünftplatzierte Michael Uhrmann. Und Bundestrainer Werner Schuster lobte: «Er hat sich unsterblich gemacht. Wenn du acht Jahre nach einem Olympiasieg diesen Erfolg wiederholst, bist du ein außergewöhnlicher Sportler.»

Als Trainer der Eidgenossen hatte Schuster den 58 Kilogramm leichten Sprung-Floh in der Saison 2007/08 unter seinen Fittichen. «Simon ist ein spezieller Typ. Er besitzt die außerordentliche Fähigkeit, sich auf ein Event konzentrieren zu können. Das kenne ich von keinem anderen Springer. Was er hier gemacht hat, das kann man nicht lernen», meinte Schuster.

14.02.2010


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