Sommerfeldts Abschied ohne Happy End

Von Gerald Fritsche und Eric Dobias, dpa

Als der Traum von der Olympia-Medaille zum Ausklang der Karriere geplatzt war, hatte René Sommerfeldt feuchte Augen.

Medaillenlos
Rene Sommerfeldt hatte großen Anteil am Aufstieg der deutschen Langläufer. 

Ein Jahr lang hatte sich der Oberwiesenthaler für die Winterspiele und ganz speziell den Einsatz in der 4 x 10-Kilometer-Langlaufstaffel noch einmal im Training gequält, obwohl jede Einheit Schmerzen bereitete. Dass er nach dem enttäuschenden sechsten Platz in einer Wetter- und Materialschlacht mit leeren Händen dastand, machte ihn über alle Maßen traurig.

«Wollt ihr jetzt hören, dass ich mich besaufe?», antwortete er auf die Frage, wie er mit dieser Pleite umgehe. Wahrscheinlich war ihm danach, denn Edelmetall wäre die Krönung nach 19 Jahren Hochleistungssport gewesen. Nach Bronze in Salt Lake City und Silber in Turin hatte das DSV-Quartett insgeheim sogar in Richtung Gold geschielt. Doch der ganz große Erfolg blieb ihnen einmal mehr verschlossen. Noch nie hat eine gesamtdeutsche Herren-Staffel bei Olympia und Weltmeisterschaften triumphieren können.

Bundestrainer Jochen Behle bedauerte, dass Sommerfeldt ein glanzvoller Abschied verwehrt blieb. «Er hätte es wie das gesamte Team verdient gehabt. Aber es will einfach nicht mehr klappen», meinte Behle und Schlussläufer Tobias Angerer fügte hinzu: «Sommi tut mir leid. Wir hatten einen gemeinsamen Traum, der nun unerfüllt bleibt.»

Einmal mehr waren die deutschen Langläufer bei unberechenbaren Bedingungen wegen der falschen Materialwahl gescheitert. Sommerfeldt selbst suchte nicht nach Schuldigen, die es in einem Staffel-Rennen ohnehin nicht gibt. «Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen. Klar, es ist Mist, dass das Wetter ausgerechnet heute nicht mitgespielt hat. Es war wohl meine letzte Chance auf eine olympische Medaille. Ich laufe zwar noch den Fünfziger, aber klassisch ist ja nun nicht mehr meine Spezialdisziplin», meinte der Sachse.

Mit seinen Leistungen hatte er maßgeblichen Anteil am steilen Aufstieg der deutschen Langläufer in den vergangenen zehn Jahren. 2001 gewann er bei der WM in Lahti Silber über 50 Kilometer hinter Johann Mühlegg, der ein Jahr später bei den Winterspielen in Salt Lake City des Dopings überführt wurde. In der Saison 2002/03 verpasste Sommerfeldt den Gewinn des Gesamtweltcups nur knapp, holte sich aber im darauffolgenden Winter als erster Deutscher und als erster Mitteleuropäer überhaupt die große Kristallkugel.

Der «Wühler» unter den deutschen Langläufern opferte sich auf und kam nach Rückschlägen immer wieder gestärkt zurück. Im März, nach dem Weltcup-Finale in Falun, ist unwiderruflich Schluss für den 35-Jährigen. Bei einer großen Abschiedsparty in Oberwiesenthal werden ihm am 30. April und 1. Mai zahlreiche ehemalige und aktuelle Loipen-Asse Adieu sagen. Spätestens dann ist auch die verpatzte Staffel von Whistler Schnee von gestern.

25.02.2010


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