Frustabbau beim Marathon: DSV-Läufer greifen an

Von Eric Dobias und Gerald Fritsche, dpa

Mit Wut im Bauch gehen Deutschlands Langläufer beim olympischen Halali über 50 Kilometer auf Medaillenjagd. Vor allem der WM-Dritte Tobias Angerer will sich am 28. Februar den Frust über die Staffel-Pleite von der Seele rennen und sein Husarenstück aus dem Vorjahr wiederholen.

Enttäuscht
Tobias Angerer erreicht als Schlussläufer der deutschen Staffel gefrustet das Ziel. 

In Liberec war Angerer überraschend zu Bronze gestürmt. «Ich habe etwas Zeit gebraucht, um die Enttäuschung zu verarbeiten und den Kopf freizubekommen. Jetzt gehe ich voll auf Angriff», verkündete der 32-Jährige vor dem Marathon im klassischen Stil.

Nicht nur bei Angerer saß der Frust über den Ausgang der Staffel, in der das deutsche Quartett auf Rang sechs die erhoffte und insgeheim auch erwartete Medaille deutlich verpasst hatte, tief. «Die Jungs waren schwer enttäuscht, weil sie nicht zum ersten Mal vom Pech verfolgt waren. Sie laufen immer noch dem Erfolg im Team hinterher. Daran hatten sie ganz schön zu knabbern», berichtete Bundestrainer Jochen Behle. Neben Angerer wollen sich daher auch Axel Teichmann, Jens Filbrich und René Sommerfeldt rehabilitieren. «Es laufen alle vier aus der Staffel», verkündete Behle.

Angerers Kampfgeist ist vor dem Olympia-Finale im Callaghan Valley wieder erwacht. «Das ist zwar nicht mein Hauptwettkampf, aber ich rechne mir trotzdem etwas aus. Ich habe ja schon meine Medaille. Alles ist möglich», sagte der Olympia-Zweite in der Doppelverfolgung. Auf dem «langen Kanten» will der Vachendorfer seine ganze Erfahrung in die Waagschale werfen. «Nach den zwei harten Wochen könnte die Kondition eine Rolle spielen. Wegen meiner Routine sehe ich da durchaus einen Vorteil für mich. Immerhin habe ich 100 000 Kilometer mehr in den Beinen als die Jungen», sagte der Familienvater.

Zumal ihm die Marathon-Distanz liegt. Im Vorjahr kam er beim Weltcup in Trondheim auf Rang zwei und wurde in Liberec WM-Dritter. 2007 landete er beim Weltcup in Oslo auf dem zweiten und bei der WM in Sapporo auf dem vierten Platz.

Dritter wurde damals Filbrich, der sich ebenfalls einiges ausrechnet. «Es ist die gleiche Situation wie vor drei Jahren. Auch in Japan hatte ich bis zum Schlusstag kein Edelmetall, und dann klappte es noch mit Bronze», sagte der Frankenhainer. Anders als bei Angerer liegen seine Stärken ohnehin im klassischen Stil. Der 30-Jährige glaubt deshalb an seine Außenseiterchance: «Man soll die Hoffnung nie aufgeben.»

Völlig entspannt gehen die deutschen Damen über 30 Kilometer in die Loipe. Nach Gold im Teamsprint und Silber in der Staffel ist ihr Medaillensoll mehr als erfüllt. «Damit hatten wir nicht gerechnet», meinte Behle zufrieden. Claudia Nystad, Evi Sachenbacher-Stehle und Katrin Zeller können damit ohne Druck laufen. Außerdem kommt Steffi Böhler zum Einsatz.

26.02.2010


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