Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Langlauf oder Biathlon: Gössner am Scheideweg
Von Eric Dobias, dpa
Erst feierte «Langlauf-Küken» Miriam Gössner mit ihren Teamkolleginnen bei alkoholfreiem Bier den silbernen Staffel-Coup, jetzt drückt sie nach einer unruhigen Nacht ihrem Freund Simon Schempp bei dessen Olympia-Debüt die Daumen.
«Es ist das allerschönste, dass er in der Biathlon-Staffel dabei sein kann. Wenn er läuft, bin ich immer total aufgeregt. Es freut mich unwahrscheinlich für ihn», sagte Gössner.
Bei der Siegerehrung auf der Medals Plaza in Whistler genoss sie das Olympia-Flair in vollen Zügen. «Das ist alles unbeschreiblich. Man sieht die ganzen Menschen, und alle jubeln einem zu. Dafür lohnt sich das Training.» Im Überschwang der Gefühle sang sie sogar die Hymne der siegreichen Norwegerinnen mit und klärte die verdutzten Beobachter anschließend auf: «Meine Mama stammt aus Norwegen, ich bin zweisprachig aufgewachsen und habe auch beide Staatsbürgerschaften.» Über das Silber um ihren Hals freute sie sich riesig. «Das fühlt sich sehr schön an.»
Mit ihrem couragierten Auftritt in der Loipe hatte die gelernte Biathletin wie schon vor einem Jahr bei der WM in Liberec entscheidenden Anteil am Medaillengewinn des deutschen Quartetts. Bundestrainer Jochen Behle ließ dann auch keinen Zweifel daran, wo er die sportliche Zukunft des «Rohdiamanten» sieht. «Alle reden immer davon, dass Miriam eine Biathletin sei. Für mich ist sie eine Skating-Spezialistin, die schon länger keine Waffe getragen hat», erklärte Behle.
Ähnlich wie ihre Biathlon-Kollegin Magdalena Neuner hat Gössner Starpotenzial. Die 19-Jährige ist unbekümmert, sympathisch, authentisch - und bleibt auch im Erfolg stets bescheiden. Da verwundert es nicht, dass Behle auf einen endgültigen Wechsel der Garmischerin ins Langlauf-Lager hofft. «Ob sie das Schießen noch lernt, müssen andere beurteilen. Ich denke, dass die Medaillen bei der Entscheidungsfindung nicht schaden. Und sie fühlt sich in der Mannschaft auch ganz wohl», sagte Behle.
Dies trifft allerdings auch auf die Biathletinnen zu. «Wenn wenigstens eine Mannschaft nicht nett wäre, dann würde ich sagen, okay, ich gehe zur anderen. Aber die sind alle so nett und alles tolle Menschen, da fällt es einem noch schwerer», sagte Gössner.
Die zweimalige Junioren-Weltmeisterin im Biathlon weiß jedoch, dass sie sich irgendwann für eine Sportart entscheiden muss, wenn sie ganz nach oben will. «Um irgendwann mal Weltklasse zu werden, muss man sich entscheiden. Wenn man die ganze Zeit zweigleisig fährt, macht man sich kaputt. Ich muss rausfinden, was mir mehr Spaß macht. Darüber werde ich mir im Urlaub viele Gedanken machen», sagte sie.
Ein Hintertürchen ließ sich die Leseratte, die schon in der ersten Olympia-Woche vier Bücher «verschlungen» hatte, aber schon wenige Minuten nach ihrem tollen Auftritt im Callaghan Valley offen. «Sollte ich beim Biathlon bleiben und es dann mit dem Schießen immer noch nicht klappen, ist der Weg zum Langlauf ja nicht sofort versperrt. Es kann sein, dass ich noch zwei Jahre weiter Biathlon mache und immer noch nichts treffe - und dann zurückkomme.»
Unter Druck gesetzt wird sie ohnehin nicht. «Sowohl Uwe Müssiggang als auch Jochen Behle bringen mir sehr großes Vertrauen entgegen. Sie stehen beide hinter mir und zwingen mich zu nichts. Ich finde es echt super, dass sie mich meinen eigenen Weg gehen lassen wollen», sagte Gössner. Wirtschaftliche Überlegungen spielen dabei keine Rolle. «Das wäre ja auch schlimm. Wir machen das ja nicht des Geldes wegen.»
Auch von der Karriere ihres Freundes will sie sich nicht beeinflussen lassen. «Natürlich wäre es schöner für uns, wenn wir im Weltcup zusammen unterwegs sein könnten. Aber wir haben eine gemeinsame Wohnung und sehen uns daher auch so viel», meinte die beim Zoll angestellte Bayerin. Mit Magdalena Neuner hat sie sich bei der schwierigen Frage übrigens nicht ausgetauscht. «Für sie gibt es diese Überlegungen ja nicht, denn sie ist im Biathlon ein Weltstar.»
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