Wieder Gold für Riesch - Jubelpose mit Medaille

Von Michael Becker und Christian Kunz, dpa

Wieder erklang in Whistler die Nationalhymne für Maria Riesch. Nach Gold in der Super-Kombination wurde die 25 Jahre alte Skirennfahrerin nun für den Olympiasieg im Slalom geehrt. Wie eine gute Woche zuvor sang Riesch andächtig bei der Nationalhymne mit.

Doppel-Gold
Maria Riesch jubelt bei der Slalom-Siegerehrung über ihr zweites Gold. 

«Heute war es fast noch schöner, weil es die zweite war», sagte Riesch, die nach der Medaillenübergabe im Ortszentrum von Whistler mit zwei gespreizten Fingern für die Fotografen posierte. «Ich wäre zufrieden gewesen, wenn es bei der einen Goldmedaille geblieben wäre.» Dass Slalom-Gold noch dazu gekommen war, mache sie aber natürlich unheimlich stolz.

Zum zweiten Mal oben auf dem Podest genoss Riesch sichtlich den Augenblick, ihren Augenblick. Sie reckte die Arme in die Höhe und wie bei der Olympia-Premiere auf dem «Stockerl» vergoss die Slalom- Weltmeisterin keine Freudenträne. Geweint worden war vorher genug, denn ihre Schwester Susanne Riesch war mit der Medaille vor Augen ausgeschieden.

In einem packenden Slalom hatte die 25-Jährige dagegen wieder einmal eindrucksvoll die Nerven bewahrt und nach dem WM-Titel vor einem Jahr auch den Olympiasieg eingefahren. Doch ausschließlich nach Jubeln war der 13-maligen Weltcup-Gewinnerin bei den Winterspielen nicht zumute. Sie fühlte mit ihrer Schwester. «Natürlich ist es für mich irgendwo ein Zwiespalt. Es ist der größte Tag in meinem Leben, ich mach' mein zweites Gold bei Olympia», sagte Maria Riesch, «und bei meiner Schwester ist eine Welt zusammen gestürzt. Ich leide mit ihr. Für sie ist es auch schwierig, sie würde sich bestimmt auch gerne mit mir freuen.»

Schon nach dem Rennen begann der Interview-Marathon für die dritte deutsche Doppel-Olympiasiegerin bei den Alpinen. Zuvor war das nur Katja Seizinger und Rosi Mittermaier geglückt. «Ich kann nichts anderes erzählen als bei der Kombi. Es läuft wie ein Film ab, nur kann ich es mehr genießen», schilderte die Partenkirchenerin ihre Eindrücke. Am Abend wollte sie sich dann in Ruhe mit ihren Eltern an einen Tisch setzen. Beim Deutschen Skiverband (DSV) fanden alle diesen «Film» gut. «Olympische Medaillen haben immer einen ganz eigenen Wert», sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier.

Im rund 8500 Kilometer entfernten Garmisch-Partenkirchen wurde ebenfalls mit Maria Riesch gefeiert und mit deren Schwester gelitten. Wie auch im Zielraum, wo die DSV-Vertreter auf TV-Bilderschirmen oder Großleinwand mitbangten. Das große Zittern wurde bei schlechter werdender Piste immer größer - erst schied Susanne aus, dann musste Maria auf die Strecke. «Zum Glück habe ich keine Informationen bekommen, dass sie ausgeschieden war», sagte die Olympiasiegerin.

Als dann im Ziel die grün unterlegte Zeit für die Beste aufblinkte, wurde die nächste Gold-Party gestartet. Am ARD- Mikrofon stieß Markus Wasmeier gleich einen lauten Freudenjuchzer aus. Jetzt bietet sich den DSV-Alpinen noch eine historische Chance: Sollte Neureuther im Slalom golden zuschlagen, wären es für sie die erfolgreichsten Winterspiele überhaupt.

27.02.2010


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