Vonn geht Puste aus - Deutsche vor USA

Von Christian Kunz und Michael Becker, dpa

Stark angefangen, stark nachgelassen - und nun haben die deutschen Alpinen um Maria Riesch auch noch mehr Gold: US-Star Lindsey Vonn hätte sich die Olympischen Winterspiele im Nachbarland wohl auch ein bisschen anders gewünscht.

Sturz
Lindsey Vonn stürzt im Riesenslalom. 

Als strahlende Abfahrts-Olympiasiegerin musste sie sich im Super-G mit Bronze zufriedengeben, bei der Super-Kombination machte ihr Aus im Slalom die Goldmedaille ihrer Ski-Freundin Riesch perfekt. Zu allem Übel brach sich die 25-Jährige bei ihrem Sturz im ersten Durchgang des für eine Nacht unterbrochenen Riesenslaloms den kleinen Finger der rechten Hand. Im Slalom gegen Riesch und das starke deutsche Torlauf-Team will Vonn aber trotzdem an den Start gehen, teilte der US-Skiverband mit.

Waren die Amerikanerinnen dank Vonn und Julia Mancuso bislang bei den olympischen Alpin-Wettbewerben besonders fleißig, so sind jetzt die deutschen Skirennfahrerinnen in der Disziplin-Wertung vorn. Mit zweimal Gold durch Riesenslalom-Ass Viktoria Rebensburg und Frontfrau Maria Riesch lösten sie das amerikanische Duo Vonn/Mancuso ab. Das US-Doppel hatte einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze geholt. In Sachen Riesenslalom-Edelmetall bei Olympia hat der Deutsche Skiverband (DSV) mit acht Stück nun als alleiniger Erster mehr als die USA und die Schweiz (je sieben).

Bei Vonn ist ein bisschen der Wurm drin. «Es sieht so aus, als ob nicht alles nach Plan läuft», räumte die Doppel-Weltmeisterin von Val d'Isère 2009 nach ihrem Sturz dann auch ein. Mit Zwischenbestzeit war die Amerikanerin unterwegs, dann verlor sie wegen zu viel Schräglage die Kontrolle über den Außen-Ski. «Mein Knie hat mein Kinn getroffen. Ich weiß ehrlich nicht, wie ich mir die Hand verletzt habe», sagte Vonn, «ein bisschen niedergeschlagen». Sicherlich, Gold und Bronze ist nicht schlecht, aber Fans und Medien hatten mehr erwartet. Und wohl auch sie selbst.

Doch nicht nur das Renn-Aus oder die neuerliche Blessur nach einer Schuhrandprellung sorgten für Missstimmung. Die beiden erfolgreichen amerikanischen Medaillen-Mädels, Vonn und Mancuso, sind sich dieser Tage offenbar nicht grün. «Wir kommen zu Sitzungen und die Stimmung ist schlecht, nur weil Lindsey nicht gut gefahren ist», beklagte sich Mancuso via Medien. Schnell geisterte das Schlagwort vom «Zickenkrieg» umher.

Dass Vonn durch ihren Sturz dann auch noch eine gute Platzierung von Mancuso im Riesenslalom zunichtemachte, weil diese wegen des Renn-Unfalls abgewunken wurde und noch mal hoch musste, passte da ins Bild. Denn mit der späteren Startnummer war Mancuso auf der schlechter werdenden Piste chancenlos - nach gutem zweiten Durchgang sprang dann Platz acht heraus. Ein paar Tränchen hatte die Titelverteidigerin schon nach dem ersten Lauf vergossen.

«Es tut mir sehr leid für Julia», sagte Vonn, die die Aussagen von Mancuso getroffen hatten. «Ich wollte einfach alles geben und sicher nicht, dass es irgendwelche negativen Auswirkungen auf Julia hat. Ich denke, dass sie jetzt sauer auf mich ist, aber was soll ich machen?» Vonn dürfte auch genug mit dem eigenen Schmerz zu tun gehabt haben.

Denn schon vor ihrem Abfahrts-Gold hatte sie eine Schuhrandprellung schmerzhaft um die größte Olympia-Chance bangen lassen. Nun ist es eine Handverletzung. Wieder einmal. Bei der WM in Frankreich verletzte sie sich den Daumen während einer Gold-Feier an einer Champagner-Flasche und schied Tage später im Slalom aus. Beim Weltcup in Lienz Ende des Jahres stürzte sie beim Riesenslalom und wurde tags darauf beim Slalom mit geschienter Hand nur 18. Das erneute Hand-Handicap schmälert sicher die ohnehin geringen Medaillenträume im Slalom von «Vonn-couver».

25.02.2010


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