Rebensburg holt Riesenslalom-Gold: «Unglaublich»

Nächste Gold-Party für die deutschen Alpinen: Eine Woche nach Maria Rieschs Olympiasieg in der Super-Kombination hat Geheimfavoritin Viktoria Rebensburg die Gunst der Stunde genutzt und die Goldmedaille im Riesenslalom gewonnen.

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Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg jubelt auf dem Podium ausgiebig. 

Rebensburg wusste nach dem Gold-Coup nicht so recht, wie ihr geschah, Trainer und Betreuer hüpften vor Freude Arm in Arm, und Maria Riesch war eine der ersten Gratulantinnen. Unbeeindruckt vom Wetterchaos fuhr die 20-jährige Rebensburg mit einer starken Vorstellung zum ersten deutschen Riesenslalom-Triumph nach 54 Jahren. Mit vollem Risiko verbesserte sich das «Schwung-Wunder» im Finale von Whistler vom sechsten auf den Gold-Rang. «Olympiasiegerin. Ich glaub', dieser Name gehört nicht zu mir. Das ist unglaublich, der absolute Wahnsinn. Gold ist ein Traum», sagte die Skirennfahrerin, die bei der Flower-Zeremonie über das ganze Gesicht strahlte und noch einmal die Fäuste ballte.

Bei der Siegerehrung konnte Viktoria Rebensburg gar nicht aufhören zu jubeln. Immer wieder ballte sie die Faust und genoss sichtlich den größten Erfolg ihrer jungen Sportlerkarriere. «Wenn man die Hymne hören darf und einem so viele Leute zu jubeln, ist das unbeschreiblich», sagte Rebensburg, die sich darüber freute, dass das die ganze Mannschaft bei der Ehrung dabei war. «Toll, dass das Team gekommen ist.» Textsicher sang sie dann mit, als die Flaggen gehisst wurden.

Mit der Nervenstärke eines Champions hatte Rebensburg den schwierigen Bedingungen getrotzt. Die Verschiebung des zweiten Durchgangs wegen Nebels um einen Tag kostete sie merklich Nerven. Selbst an der neuen Olympiasiegerin war die Nacht der Warterei nicht spurlos vorbeigegangen. «Es war hart, aber im Endeffekt denke ich, dass es gut für mich war, denn ich habe gewonnen», sagte Rebensburg.

Die höher gehandelte Weltmeisterin Kathrin Hölzl ging als Sechste ebenso leer aus wie Riesch auf Platz zehn. Hinter Rebensburg sicherte sich die Slowenin Tina Maze 4/100 Sekunden zurück die Silbermedaille. Elisabeth Görgl (Österreich), die als Führende in die Nacht gegangen war, fuhr zu Bronze. Das letzte und bisher einzige deutsche Riesenslalom-Gold einer Alpin-Dame liegt über ein halbes Jahrhundert zurück. 1956 in Cortina holte sich Ossi Reichert den Olympiasieg. Rebensburg ist die zweitjüngste deutsche Alpin-Olympiasiegerin nach Heidi Biebl, die 1960 bei ihrem Abfahrtserfolg 19 Jahre alt war.

«Dass Vicky Gold gewinnt, ist schon extrem überraschend. Es gibt Momente da sagst du dir nur, mann ist sie cool», sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier - und die Medaillenjagd ist dank des ausstehenden Slaloms am 26. Februar mit Maria Riesch als Weltmeisterin und Mitfavoritin noch nicht zu Ende. «Sie ist die Nummer 1 in unserem Team, das ist gut für uns», sagte Rebensburg über Front-Frau Riesch, die viel Druck von den anderen Fahrerinnen nimmt.

Beim Hundertstel-Krimi im wegen Nebels um einen Tag verschobenen zweiten Durchgang behielt Rebensburg die Übersicht - und vor allem die Nerven. Voll auf Angriff war die dreimalige Junioren- Weltmeisterin gefahren, denn als Sechste des ersten Durchgangs brachte ihr nur das noch die Chance zum nächsten Coup. Eine werde schon durchkommen, war die Devise beim Deutschen Skiverband - und Pressesprecher Ralph Eder hatte sich noch kurz vor dem Start einen Glückscent in die Hosentasche gesteckt.

Im Ziel leuchtete die grün unterlegte Bestzeit auf. Die dreimalige Junioren-Weltmeisterin, die noch nie ein Weltcup-Rennen gewonnen hatte, ballte die Fäuste und schrie die Freude hinaus. Nun hieß es warten und zittern. Als dann auch Görgl als Führende des ersten Durchgangs sie nicht mehr verdrängen konnte, war die olympische Freude wieder riesengroß. Rebensburg hockte sich im Zelt auf einen Stuhl und hielt kurz die Hände vors Gesicht - greifbar war der größte Erfolg ihrer Karriere noch lange nicht.

«Es war nicht unsere Zielsetzung, drei auf dem Podest zu haben, Ziel war eine Medaille», sagte Maier. Dass die «eine Medaille» auch noch golden glänzte, war für alle beim Deutschen Skiverband besonders schön. Wie zuletzt in Nagano 1998, als Katja Seizinger die Truppe zu insgesamt sechs Medaillen führte, gab es wieder zweimal Edelmetall für die langjährigen Sorgenkinder im Deutschen Skiverband. Nach zwei WM-Titeln vor einem Jahr mischen sie auch bei Olympia wieder bei den ganz Großen mit. «Seizinger war mein Idol. Sie hatte so viele Erfolge und Goldmedaillen, ich habe immer zu ihr aufgeschaut», erinnerte sich Rebensburg.

War sie bei der WM in Frankreich vor einem Jahr noch von Rang drei deutlich hinter die Medaillenränge zurückgefallen, so blieb die Sportlerin aus Kreuth diesmal cool. «Vicky ist eine, die relativ trocken ist», erklärte Maier. «Sie hat den vielleicht schnellsten Riesenslalom-Schwung im Damen-Weltcup», sagte Techniktrainer Christian Schwaiger über das «schlampige Genie».

Damen-Cheftrainer Mathias Berthold hatte die Medaille von der einmaligen Weltcup-Podest-Fahrerin fast erwartet. Der Hang würde «Vicky» liegen, hatte Berthold prophezeit - und recht behalten. «Ganz überraschend ist es nicht, aber man muss es beim Großereignis erst einmal runterbringen und das hat sie geschafft», sagte Olympiasiegerin Riesch über Rebensburg, die bei der Olympia-Generalprobe in Cortina im Januar trotz eines «Riesenfehlers» erstmals Zweite geworden war. Und wie Hölzl bei der WM vor einem Jahr fuhr Rebensburg diesmal bei einem Großereignis zum ersten Sieg.

Dreimal stand sie bei Junioren-Weltmeisterschaften ganz oben auf dem Podest, kein Vergleich zu dem was ihr in Whistler widerfuhr. Die Hymne erklang zu ihren Ehren; und das bei Olympischen Spielen. «Das kann man gar nicht vergleichen. Ich habe eine Goldmedaille bei Olympia gewonnen. Das habe ich nie erwartet. Das ist das Höchste, was man erreichen kann», schwärmte die Hobby-Golferin, die sich im Mannschaftskreise schon vor der Siegerehrung ein Gläschen Sekt gönnte.

Mit einigen Stunden Verspätung erfuhren auch Rebensburgs Eltern, was das Töchterchen in Whistler vollbracht hatte. Eigentlich wären sie live dabei gewesen, doch dann wurde der Final-Durchgang wegen des Wetters verschoben. Zu allem Übel war der Rückflug der Rebensburgs nicht mehr umbuchbar. Erst als sie den Flieger verließen, wussten Mama und Papa, dass ihre Tochter Olympiasiegerin ist. «Ich hab' mit Eltern telefoniert, sie sind aus dem Flieger gestiegen und trinken jetzt ein Glaserl auf mich», sagte Rebensburg nach dem Telefonat. «Sie sind megastolz auf mich.»

Echt?
Viktoria Rebensburg muss erstmal «testen» ob sie wirklich Gold gewonnen hat. 
Siegerin
Viktoria Rebensburg ballt im Ziel die Faust. 
Überraschung
Viktoria Rebensburg jubelt ausgelassen über die überraschende Goldmedaille. 
Glückwünsche
Elizabeth Görgl gratuliert Viktoria Rebensburg (l) zu ihrem Sieg im Riesenslalom. 
Sechste
Favoritin Kathrin Hölzl schaut im Ziel enttäuscht auf die Anzeigetafel. 
Unglaublich
Viktoria Rebensburg kann noch nicht ganz glauben, dass sie Gold gewonnen hat. 
Enttäuscht
Maria Riesch schaut im Ziel etwas grimmig. 
Gold
Viktoria Rebensburg freut sich über die Goldmedaille im Riesenslalom. 
26.02.2010


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