Deutsche Alpine spielen wieder oben mit

Von Christian Kunz und Michael Becker, dpa

2002 gab es mächtig Schelte, 2006 eine Nullnummer - und nach Olympia in Vancouver 2010 sind die deutschen Alpinen wieder wer im Wintersport. Mit dreimal Gold waren Maria Riesch Co. die erfolgreichsten deutschen Olympioniken in Kanada.

Slalom-Gold
Maria Riesch jubelt über Gold im Slalom. 

«Wir sind seit Jahren im Kommen. Die WM war schon ein absolutes Wintermärchen. Und jetzt haben wir gesehen, dass es noch ein bisschen bessergeht», sagte Doppel-Olympiasiegerin Maria Riesch. «Diese Olympischen Spiele haben Ski alpin einen unheimlichen Schub gegeben. Das ist für den Verband und die Sportart unheimlich wichtig.»

Ein Jahr vor den alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Garmisch- Partenkirchen erlebten die langjährigen Sorgenkinder im Deutschen Skiverband (DSV) einen nicht erwarteten Aufschwung. Zumindest bei den Damen, bei den Herren war der Slalom für Felix Neureuther beim Sieg des Italieners Giuliano Razzoli vorzeitig zu Ende. Zwei Medaillen waren das Ziel, drei goldene durch Riesch und die 20-jährige Viktoria Rebensburg wurden es.

Nach einmal Bronze 2002 und der Schlappe von Turin stieg der Deutsche Skiverband (DSV) in den kanadischen Bergen zur erfolgreichsten Alpin-Nation bei Olympia auf. Das hatte er nicht einmal bei seinen Rekord-Spielen in Nagano 1998 geschafft, aber damals waren auch die in Whistler Creekside blamierten Österreicher noch um ein paar Klassen stärker.

«Drei Goldmedaillen zu holen, ist ein Hammerergebnis. Das waren außergewöhnliche Olympische Spiele für uns», sagte Alpin-Direktor Wolfgang Maier, der mit dem neuerlichen Olympia-K.o. Felix Neureuthers ein wenig haderte. «Du bist bei den Frauen topp und bei den Herren bist du wieder nicht dabei, obwohl er besser ist als das Ergebnis aussagt. Das ist die Achterbahn.»

Bei den Damen geht es dagegen seit Jahren aufwärts. Erst zweimal WM-Gold durch Riesch und Kathrin Hölzl vor einem Jahr, jetzt das olympische Dreierpack durch die Frontfrau und Viktoria Rebensburg. «Maria ist und bleibt die Galionsfigur. Aber neben ihr wachsen weitere Figuren heran. Wir sind in der Spitze wieder breiter aufgestellt», analysierte Maier. «Wenn eine 20-Jährige wie Viktoria Rebensburg eine Goldmedaille gewinnt, wird sie auch in Zukunft eine Stütze sein.» Verbands-Präsident Alfons Hörmann freute sich außer über die erfolgreiche Medaillen-Jagd auch über Rückenwind für die Heim-WM. «Eine schönere Steilvorlage gibt es nicht.»

In Garmisch-Partenkirchen sollten in einem Jahr aber tunlichst auch die Herren besser Abschneiden. Speedfahrer Stephan Keppler verfehlte klar die eigenen Ziele und wenn Neureuther im Slalom nicht ins Ziel kommt, hat der DSV eben auch keine Medaillenchance. Einen Aufwärtstrend zeigte der 25-Jährige mit Platz acht und Karriere- Bestleistung im Riesenslalom. «Ich bin sicher, dass wir bis 2014 bei den Herren mehr am Start haben, die ganz normal die Norm schaffen werden. Ich hoffe, dass wir das in Sotschi das erste Mal unter Beweis stellen können», formulierte Maier das hehre Ziel, das schon seit Jahren vergeblich beim DSV verfolgt wird. Da Maiers Prognosen seit seinem Amtsantritt 2006 ziemlich genau zutrafen, darf zumindest gehofft werden.

Dank Riesch, die vor allem über Slalom-Gold vom Wochenende stolz war, ist die Durststrecke bei den Damen nach den Rücktritten von Katja Seizinger, Hilde Gerg und Martina Ertl schon länger beendet. Immer mehr wächst und gedeiht dahinter eine junge Mannschaft, die komplett ihr Olympia-Debüt gab. Vier Fahrerinnen konnten schon Rennen gewinnen, keine Athletin des Kernteams ist älter als 25. «Jetzt hat man für ein paar Stunden oder ein paar Wochen eine gewisse Entspannung. Wir haben gelernt diese Dinge aufzunehmen und zu feiern, stolz zu sein auf die Leute und dann wieder zu formieren für die nächsten großen Dinge», sagte Maier - in ein paar Tagen stehen schon wieder Weltcup-Rennen an.

28.02.2010


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