Riesch skeptisch - Aber Slalom-Team will Medaille

Von Michael Becker und Christian Kunz, dpa

Nach den Triumphen von Viktoria Rebensburg und Maria Riesch wollen die deutschen Alpinen nun auch einen goldenen Olympia-Abschluss. Die schnellsten Ski-Schwestern, das stärkste Team und ein Känguru als Glücksbringer sind dabei, wenn es am 26. Februar an den Slalom-Start geht.

Mitfavoritin
Maria Riesch will auch im Slalom aufs Podium. 

Kombinations- Olympiasiegerin Riesch geht dabei als Mitfavoritin in das Rennen, in dem sie auch gegen ihre eigene Schwester kämpft. Zwar wies Maria Riesch in der Weltcup-Saison gute Form auf, aber nach dem Witterungsumschwung von Whistler klang sie ein bisschen skeptisch.

«Schade, dass es so warm und so nass ist. Der Slalom ist ja vor allem der untere Teil und der war schon heute mein Problem», sagte die 25-Jährige. «Sagen wir mal so: Ich bin froh, dass ich schon eine Medaille in der Tasche habe.» Zuvor hatte sie noch eine Podiums- Platzierung als Ziel ausgegeben. Schließlich sei sie die «Führende des Slalom-Weltcups, daher wäre jede andere Zielsetzung Understatement.» Schon jetzt ist die Bilanz dank zweimal Gold stark, aber eine weitere Medaille würde das Olympia-Ende noch einmal versüßen.

Die Hoffnungen auf Slalom-Edelmetall sind groß: Hinter der Galionsfigur Riesch, die im Olympia-Winter insgesamt viermal auf dem Slalom-Podest stand, hat sich ein schlagkräftiges Team gebildet. Die Plätze neben den gesetzten Maria und Susanne Riesch haben sich die einmalige Weltcup-Podestfahrerin Fanny Chmelar und Junioren- Weltmeisterin Christina Geiger gesichert. Katharina Dürr blieb nach dem Scheitern in der internen Quali sogar nur Olympia-Zuschauerin. «Der Slalom ist mannschaftlich unsere stärkste Disziplin», sagte Bundestrainer Mathias Berthold angesichts von sechs Podiums und 20 Top-10-Plätzen in diesem Winter.

Die härtesten Konkurrentinnen sieht die 13-malige Weltcup-Siegerin Maria Riesch bei den Österreicherinnen. «Marlies Schild und Kathrin Zettel haben in diesem Winter schon starke Leistungen gezeigt», sagte die 25-Jährige, die wie Zettel wegen des Riesenslaloms Nachsitzen musste. Sie wurde Zehnte.

Einiges zuzutrauen im Slalom ist auch Sandrine Aubert. Wie Schild konnte die Französin schon zwei Saisonerfolge feiern. Zettel und Maria Riesch siegten je einmal in der Weltcup-Saison, in der der letzte Slalom am 17. Januar gefahren wurde. Die lange Rennpause sei kein Problem, sagte Berthold.

Der Kampf um Olympia-Gold könnte sogar zu einem Riesch'schen Familien-Duell werden. Denn spätestens seit ihren ersten beiden Weltcup-Podiums gilt Susanne als Geheimfavoritin. «Susi trau ich Einiges zu. Sie fährt konstant, schnell und hat in dieser Saison schon bewiesen, dass sie auf dem Podest landen kann», sagte die 25-jährige Maria. In Zagreb stand sie schon einmal als Vierte daneben, als die zwei Jahre jüngere Schwester auf dem Stockerl stand.

Die begnadete Technikerin, der Berthold einen «großen Sprung» im vergangenen Jahr bescheinigt, will sich für ihr erstes Olympia-Rennen aber nicht unter Druck setzen. «Das sind auch nur rote und blaue Stangen. Ich versuche alles andere drumherum auszublenden», sagte Susanne. «Wer das am besten schafft, wird am Ende ganz oben stehen.»

Vom Olympiasieg träumen Chmelar und Geiger wenn nur heimlich. Vordere Platzierungen trauen sich die beiden aber durchaus zu. Schließlich haben sie mit den beiden Rieschs ständig Weltklasse- Fahrerinnen vor Augen. «Die gute Mannschaft pusht schon ziemlich», sagte das 20 Jahre alte Mannschaftsküken Geiger. Dank ihres Junioren- Titels ist sie mit viel Selbstvertrauen zu den Spielen gekommen. «Wenn man sieht, dass man im Training mit Maria und Susanne mithalten kann, weiß man, dass man im Rennen vielleicht mal in die Top fünf oder Top drei fahren kann.» Vielleicht hilft ja auch das Maskottchen, das ihr eine Freundin aus Australien mitgebracht hat. «Das Känguru ist mein Glücksbringer, den hab ich immer dabei.»

25.02.2010


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