Teamgeist statt Zänkereien: Skeletonis vereint

Von Frank Kastner und Michael Fox, dpa

Vor vier Jahren würdigten sie sich keines Blickes, Neid dominierte das Zusammenleben: Doch die Zänkereien bei den deutschen Skeleton-Frauen sind ad acta gelegt.

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Kerstin Szymkowiak trainiert im Eiskanal von Whistler. 

Die Mädels sind vereint, was vor allem auf Bundestrainer Jens Müller zurückzuführen ist, der mit seiner einfühlsamen, aber leistungsorientierten Art die Weichen auf Harmonie - und Erfolg gestellt hat. «Dass er das geschafft hat, ist ein enormer Verdienst», lobt Präsident Andreas Trautvetter vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD).

«Wir helfen einander, wo wir können. Wir analysieren gemeinsam unsere Läufe und freuen uns miteinander bei den Erfolgen», sagt die WM-Dritte Kerstin Szymkowiak von der RSG Hochsauerland in Whistler. Früher war alles anders: Bei der Olympia-Nominierung 2006 für Turin hatte sie einen wahren Alptraum erlebt, nachdem sie im entscheidenden Rennen ihren Schlitten aus der Anlaufspur schob und gegen Anja Huber verlor. Innerhalb von 24 Stunden nominierte der nationale Verband Szymkowiak erst für die Rennen in Turin, um die Entscheidung dann nach Rücksprache mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland (NOK) wieder zu revidieren. Plötzlich erhielt Anja Huber das Ticket.

«Eigentlich war doch alles klar, doch nun fühle ich mich total verarscht», sagte Szymkowiak damals. Auch die Berchtesgadenerin Huber, die nach den internen Nominierungsregeln zurecht den Startplatz erhielt, verstand die Welt nach dem Hickhack nicht mehr: «Es läuft bei mir noch alles ab wie im Film. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt habe ich alles erlebt», meinte Huber vor vier Jahren.

Diese Posse des Verbandes belastete natürlich das Klima in der Mannschaft, zumal es auch andere Störfeuer und Nebenkriegsschauplätze gab. «Jeder hatte eben sein eigenes Ding gemacht. Keiner hatte den anderen gesagt, was er an Ideen und Tricks auf Lager hat», sagte Huber, Weltmeisterin von 2008.

Bundestrainer Müller, Rodel-Olympiasieger von 1988 in Calgary, packte die Damen vor der WM 2009 in Lake Placid einfach zusammen aufs Zimmer - und das Eis zwischen beiden schmolz. «Wir haben gemerkt, es funktioniert. Und wenn wir zusammen arbeiten, sind wir auch erfolgreich.» Mittlerweile ist es das erfolgreichste Doppel-Zimmer im Skeleton-Weltcup. Auch zusammen mit Weltmeisterin Marion Trott ziehen alle an einem Strang, Teamgeist ist oberstes Gebot. «Wir fragen uns gegenseitig zur Fahrspur, jeder weiß, was der andere für eine Kufe hat. Jeder lässt nun seine Tricks raus und das ist das Gesamtpaket, was zum Erfolg führt», sagte Huber.

18.02.2010


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