Skeletonis: Im Dreierpack zur ersten Medaille

Von Frank Kastner und Michael Fox, dpa

Angst vor der schnellsten Bahn der Welt haben die deutschen Skeletonis nicht. Nach dem tödlichen Unfall des georgischen Rodlers auf der Hochgeschwindigkeitsbahn in Whistler mussten die drei deutschen Piloten immer wieder über die Gefahren der 16 Kurven philosophieren.

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Auf dem Bauch liegend rast Marion Trott mit dem Skeleton-Schlitten durch den Eiskanal. 

Dabei will das deutsche Trio vor allem über die eigenen Medaillen- Ambitionen reden. «Ich habe schon vor Saisonbeginn gesagt und das gilt immer noch: Ich bin nicht hier, damit der Bus voll wird», sagte Anja Huber, die Weltmeisterin von 2008, vor den ersten beiden Läufen am 18. Februar.

Auch fünf Tage nach Kumaritaschwilis Tod ist der umstrittene «Whistler Sliding Centre» noch immer in aller Munde. Kerstin Szymkowiak (RSG Hochsauerland) gibt Entwarnung: «Durch unseren tieferen Schwerpunkt haben wir nicht die Gefahr, vom Eis wegzufliegen. Wir haben nicht so eine hohe Auflage, unsere Kufen sind auch nicht so weit weg vom Schlitten wie beim Rodeln, was natürlich wie ein Katapult wirkt.» Immerhin werden auch die Skeleton-Asse Spitzengeschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern erreichen.

Die WM-Dritte, die in dieser Saison mit zwei Saisonsiegen aufwartete, will die Bahn aber nicht auf die leichte Schulter nehmen. «Der Kopf schleift schon ab und zu mal auf dem Eis. Die anatomischen Bedingungen geben dann einfach den Blick nicht mehr frei» gibt sie zu, «hier in Whistler fährt man relativ viel blind.» Umso schwerer wiegt der Heimvorteil der Kanadier um Weltcup-Gesamtsiegerin Melissa Hollingsworth. Mehr als 100 Läufe haben die Gastgeber auf der herausfordernden Piste absolviert. «Wir vielleicht am Ende 30», sagte Huber. Trotzdem will das deutsche Trio den Medaillenfluch besiegen und acht Jahre nach der Wiederaufnahme der Sportart ins olympische Programm aufs Podium. «Einer wird pro Rennen mindestens durchkommen», prophezeit Verbands-Präsident Andreas Trautvetter.

Weltmeisterin Marion Trott aus Oberhof freut sich über die Außenseiterrolle. Gelassen und leise sagt sie: «Die Bahn liegt mir. Ich habe eine Chance, mal sehen was rauskommt.» Dass sie vor einem Jahr souverän die Generalprobe beim Weltcup mit einer halben Sekunde Vorsprung gewonnen und Hollingsworth dabei 1,85 Sekunden abgenommen hatte, will sie aber nicht überbewertet wissen. Huber ist nach der Achterbahnfahrt in diesem Winter, die mit einem Sieg begann und nach verletzungsbedingten Ausfällen wieder mit einem Sieg endete, gestärkt zu den Vancouver-Spielen gereist. Wegen der verpassten Weltcup-Rennen hatte sie die Olympia-Qualifikation erst in letzter Minute bei einem siegreichen Doppelstart in Übersee geschafft. «André Lange hat zu mir gesagt: Huber'sche, wenn du das mit der Qualifikation hinbekommst, dann kann dich nichts mehr erschüttern!», erzählt sie.

Auch bei den Männern ist eine Medaille drin: Mirsad Halilovic (Königssee), Weltcupsieger auf der anspruchsvollen Piste in Altenberg, kann genauso auf das Podest fahren wie der bereits olympiaerfahrene Frank Rommel (Zella-Mehlis). Rommel hat sich «keine fixe Platzierung» vorgenommen: «Es ist auch Quatsch, vorneweg Prognosen zu treffen. Die Besten der Welt sind hier am Start, alle haben sich vier Jahre auf diesen Moment vorbereitet. Nach den vier Läufen werden wir sehen, wer es am besten geschafft hat.»

17.02.2010


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