Medaillen-Double für deutsche Skeleton-Frauen

Kerstin Szymkowiak und Anke Huber haben den größten Erfolg ihrer Karriere gefeiert und den deutschen Skeletonis die ersten Medaillen bei Olympischen Winterspielen beschert. Hinter der britischen Olympiasiegerin Amy Williams holten sie Silber und Bronze.

Medaillengewinnerinnen
Kerstin Szymkowiak (l) und Anja Huber (r) freuen sich über ihre Olympia-Medaillen. 

Mit einer innigen Umarmung feierten Szymkowiak und Huber ihren doppelten Medaillen-Coup und genossen den «Aufstieg» zum schnellsten Frauen-Zimmer im Skeleton-Zirkus in vollen Zügen. «Für diesen Moment habe ich lange und hart gearbeitet. Ich habe immer gewusst: wenn ich vier konstante Läufe runterbringe, dann kann es klappen», jubelte Silber-Fahrerin Szymkowiak in Whistler. Auch Zimmerkollegin Huber war platt: «Die Gefühle sind mit mir Achterbahn gefahren. Nach dem dritten Lauf habe ich schon gar nicht mehr dran geglaubt. Jetzt bin ich sprachlos und überglücklich.»

«Das ist absolut irre! Ganz großes Kompliment an die Mädels. Das konnte niemand erwarten», meinte Präsident Andreas Trautvetter vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) nach dem Auftritt seiner Frauen. Mit den ersten Skeleton-Medaillen überhaupt bei Winterspielen setzten Szymkowiak und Huber den Beutezug der deutschen Kufen-Asse auf der Hochgeschwindigkeitsbahn von Whistler fort. Zuvor hatten schon die Rodler fünf Medaillen geholt - zwei davon in Gold.

Nur die Britin Amy Williams war in der anspruchsvollen Eisrinne zu schnell für die beiden Deutschen. «Amy war hier einfach unschlagbar», lobte Szymkowiak die Olympiasiegerin. «Sie hat verdient gewonnen.» Ganz sicher sein konnte sich Williams aber erst rund fünf Stunden später. Dann wies der Weltverband FIBT den Protest wegen eines angeblichen Regelverstoßes zurück. Kanada und die USA hatten noch einmal den Helm der Britin beanstandet, der über unerlaubte Windabweiser verfügen sollte. Die FIBT konnte allerdings keinen Regelverstoß erkennen und lehnte den Einspruch ab.

Szymkowiak hatte den Grundstein für Silber am ersten Tag mit zwei soliden Läufen gelegt. Auch vor der ungewohnten Nacht hatte die 32- Jährige keine Angst: «Meine Mama hat immer gesagt: Wenn es ins Bett geht, wird geschlafen. Und ich kann immer gut schlafen.»

«Meine Fahrten waren solide, aber nicht das, was ich wirklich kann. Aber ohne Fehler ist hier keine runtergekommen», klagte Huber zur Halbzeit. Im dritten Lauf machte die 26-Jährige erneut zu viele Fehler und verabschiedete sich schon von allen Medaillenträumen. «Ich habe vor dem letzten Lauf nicht mehr damit gerechnet, dass ich als Fünfte noch in Reichweite der Medaillen liege. Deshalb wollte ich im vierten Lauf einfach nur Spaß haben.» Gesagt, getan: Mit einem fulminanten Ritt fuhr die Berchtesgadenerin noch zu Bronze. «Hast Du auch mal an meine Nerven gedacht?», fragte Bundestrainer Jens Müller - und herzte Huber. Marion Trott aus Oberhof wurde Achte.

Die Story der beiden deutschen Medaillengewinnerinnen ist eine unendliche Geschichte: Denn früher herrschte zwischen den beiden alles andere als Harmonie. Bei der Olympia-Nominierung 2006 für Turin hatte Szymkowiak einen wahren Alptraum erlebt, nachdem sie im entscheidenden Rennen ihren Schlitten aus der Anlaufspur schob und gegen Anja Huber verlor. Innerhalb von 24 Stunden nominierte der nationale Verband Szymkowiak erst für die Rennen in Turin, um die Entscheidung dann nach Rücksprache mit dem Nationalen Olympischen Komitee für Deutschland (NOK) wieder zu revidieren. Plötzlich erhielt Anja Huber das Ticket.

Diese Posse des Verbandes belastete das Klima in der Mannschaft, zumal es auch andere Störfeuer und Nebenkriegsschauplätze gab. «Jeder hatte eben sein eigenes Ding gemacht. Keiner hatte den anderen gesagt, was er an Ideen und Tricks auf Lager hat», sagte Huber, Weltmeisterin von 2008. Nach dem Happy End lachen sie nur noch über diese Geschichten.

Silber!
Kerstin Szymkowiak jubelt mit Trainer Jens Müller über die Silbermedaille. 
Bremse
Kerstin Szymkowiak bremst ihren Skeleton im Ziel ab. 
Siegerin
Die Britin Amy Williams freut sich über die Goldmedaille. 
Neugierig
Die Britin Amy Williams blickt nach ihrem dritten Lauf zur Anzeigetafel. 
Zufrieden
Kerstin Szymkowiak freut sich nach dem dritten Lauf im Zielbereich über ihre Zeit. 
Dunkel
Die Kanadierin Mellisa Hollingsworth trägt einen düsteren Helm. 
Technik
Die US-Amerikanerin Noelle Pikus-Pace drückt sich zum Bremsen vom Skeleton weg. 
Entschlossen
Anja Huber setzt konzentriert ihren Helm auf. 
Nicht optimal
Nicht wirklich zufrieden kommt Anja Huber nach dem dritten Lauf ins Ziel. 
20.02.2010


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