Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Bäuchlings in die Eisrinne: Skeletonis wagemutig
Von Frank Kastner und Michael Fox, dpa
Der Blick von der Startbahn aus ins Tal von Whistler ist beängstigend. Wenn sich die Skeletonis nach einem Kurzsprint mit voller Wucht bäuchlings auf ihre rund 30 Kilogramm schweren Spezialschlitten kopfüber in die Eisrinne stürzen, gefriert den Zuschauern das Blut.
«Der Blick ist wie von der Skisprungschanze in Innsbruck», sagte die Weltmeisterin von 2008, Anja Huber aus Berchtesgaden. Die Bahn hat über 20 Prozent Gefälle. Nach dem tödlichen Unfall des Georgiers Nodar Kumaritaschwili haben die Skeleton- und Bob-Piloten anders als die Rodler keine Ausweichmöglichkeit: Sie müssen von ganz oben auf die 1450 Meter lange Piste, eine andere 50 Meter lange Startbahn existiert nicht. «Es kribbelt da schon», verriet Weltmeisterin Marion Trott aus Oberhof, die vor einem Jahr die olympische Generalprobe auf dieser Bahn gewann und beim ersten Training die drittbeste Zeit fuhr.
Auch Mirsad Halilovic aus Königssee, der mit dem Weltcupsieg auf der anspruchsvollen Piste in Altenberg seine Ambitionen für Whistler unterstrich, weiß um die Gefährlichkeit der schnellsten Bahn der Welt. «Man muss Freundschaft schließen. Wenn sie einen mag, lässt sie einen fahren. Wenn nicht, ist sie wie ein wildes Rodeopferd», sagte Halilovic vor seinem ersten Training. Der Weltverband FIBT hatte den Athleten freigestellt, ob sie vom Rodelstart oder vom höher gelegenen Skeletonstart ihre Läufe absolvieren. Aus den unteren «Rodel-Luken» kann man jedoch nur ohne Anlauf und im Liegen starten.
«Wir haben uns herausgenommen, alle Läufe von ganz oben zu starten», meinte Kerstin Szymkowiak von der RSG Hochsauerland, die zugleich betont: «Durch unseren tieferen Schwerpunkt haben wir nicht die Gefahr, vom Eis wegzufliegen. Wir haben nicht so eine hohe Auflage, unsere Kufen sind auch nicht so weit weg vom Schlitten wie beim Rodeln, was natürlich wie ein Katapult wirkt.»
Und wie wird der Niederprofil-Schlitten aus Fiberglas gesteuert? «Komplett von der Haaransatzspitze bis zum Zehennagel, das Hauptlenksystem liegt aber bei Schultern und Knien. Dann kann ich noch durch die Verlagerung des Körpers den Schlitten in die entsprechende Richtung lenken», sagte Szymkowiak, die in schwierigen Situationen immer noch «den Fuß als Bremse» ins Eis hauen kann.
Skeletonis, die in Whistler Spitzengeschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern erreichen, tragen einen Helm vergleichbar mit denen bei alpinen Skirennen. Die Rennanzüge bestehen aus einem Stretch- Material. Die Schuhe sind ähnlich wie Leichtathletik-Spikes, allerdings mit individuell dicker «Kuppe» über den Zehen zum Bremsen und Steuern. Zum Schutz dürfen die Skeletonis mit Schulter- und Ellbogenprotektoren fahren.
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