Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Wut und Trauer bei Überführung von Kumaritaschwili
Von Schako Buatschidse, dpa
Trauer um einen Landsmann, Wut auf die Olympia-Organisatoren: Rund 2000 Menschen haben in der georgischen Hauptstadt Tiflis dem jungen Rennrodler Nodar Kumaritaschwili das letzte Geleit gegeben. Bei der Ankunft des Sargs in seinem Heimatdorf spielten sich herzzerreißende Szenen ab.
«Warum habe ich Dich überlebt», rief seine Mutter Dodo Karazischwili und warf sich weinend auf den in eine georgische Flagge gehüllten Sarg. Der erst 21-jährige Kumaritaschwili war am 12. Februar auf der Hochgeschwindigkeitsbahn im kanadischen Whistler beim Training für die Winterspiele tödlich verunglückt. Ein Flugzeug aus München brachte den Leichnam des Sportlers in die Heimat, wo ihn eine Ehrengarde in Empfang nahm.
In dem 1500-Einwohner-Dorf Bakuriani etwa 170 Kilometer westlich von Tiflis soll Kumaritaschwili am 20. Februar in einem Gedenkakt, zu dem auch Patriarch Ilia II. kommt, im Hof einer orthodoxen Kirche beigesetzt werden.
Der Chef des georgischen Olympischen Komitees, Gia Natswlischwili, schämte sich nicht für seine Tränen. Er hatte den Sarg begleitet. «Hunderte haben uns in Vancouver verabschiedet, auch bei der Zwischenlandung in München kamen wildfremde Menschen auf uns zu», sagte der Funktionär. «Die Leute haben geweint - in Vancouver, in München und hier. Diese Reise werde ich nie vergessen.» Auch der Rodler Lewan Gureschidse, der eigentlich mit Kumaritaschwili bei Olympia an den Start gehen sollte, sowie Nodars Onkel Felix Kumaritaschwili, der als Trainer den Tod seines Neffen mitansehen musste, hatten den Sportler auf seiner letzten Reise begleitet.
In Bakuriani trägt die Straße, in der er aufwuchs, nun seinen Namen. Das entschied die Verwaltung des Ortes. Seine Eltern wohnen jetzt in der Nodar-Kumaritaschwili-Straße 32. «Mein Sohn war sehr tapfer», sagte Nodars Vater David mit tränenerstickter Stimme. «Von dieser Kurve, in der er starb, sprach er am Telefon. Diese Kurve ist sehr schwer, sagte er. Aber Angst? Angst hatte er nie.»
In Tiflis wurden auch kritische Stimmen laut. «Vor dem tragischen Lauf wurde die letzte Kurve der Bahn mit Tüchern verhängt, aber das wusste niemand vorher», sagte Felix Kumaritaschwili. Sein Neffe habe dadurch die Unglückskurve nicht richtig einsehen können. «Klar, erfahrene Sportler kennen die Strecke auswendig, aber Nodar war eben nicht so erfahren. Er war ja erst 21 Jahre alt.» Wer aber sage, der Sportler sei ein schlechter Fahrer gewesen, liege falsch. «Nach dem ersten Lauf lag er auf dem zwölften Platz. Wenn er von den Tüchern gewusst hätte, wäre er vielleicht langsamer gefahren. Aber er wollte eben nicht langsam sein. Nodar träumte von einer Medaille.»
Auch Sportfunktionär Irakli Dschafaritse ist zornig. «Es heißt, dass Nodar aus Unerfahrenheit und mangelnder Professionalität gestorben sei. Das ist eine Schande!» Dies seien bloß Ausreden der Olympia-Organisatoren, um die Verantwortung loszuwerden. «Alle machen Fehler - besonders Sportler. Und sollen Sportler wegen ihrer Fehler sterben?» Er hoffe auf künftig bessere Schutzmaßnahmen im Rennrodeln, sagte Dschafaritse. «Dann ist Nodar nicht umsonst gestorben.»
Sein Sohn habe davon geträumt, dass es in Bakuriani einmal eine Strecke für Rennrodler gebe, sagte David Kumaritaschwili. Nun soll dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Präsident Michail Saakaschwili kündigte vor wenigen Tagen den Bau an - die Strecke wird Nodars Namen tragen. «Und die Kinder von Bakuriani werden dort trainieren können», sagte David Kumaritaschwili mit einer Mischung aus Trauer und trotzigem Stolz.
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