Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Dank Glücksmünze: Hüfner neue Rodel-Königin
Nach dem Olympia-Coup blickte Tatjana Hüfner ihre Glücksmünze innig an. In vollen Zügen genoss sie den Aufstieg zur neuen Rodel-Königin. Im Minutentakt gab die 26-Jährige im Deutschen Haus in Whistler bis spät in den Abend Interviews.
Doch selbst im Moment ihres größten sportlichen Triumphes hob die Gold-Rodlerin nicht ab. «Ich habe jede Sekunde genossen. Aber ich stehe mit beiden Füßen auf der Erde. Ich hoffe, ich bleibe derselbe Mensch!» sagte Hüfner nach der bewegenden Medaillenzeremonie auf der Medals Plaza in Whistler. Keine großen Worte, sondern Taten: «Ich will kein Star sein. Ich liebe es, eher im Hintergrund zu agieren, und wenn es darauf ankommt, mit Top-Leistungen aufzuwarten», so lautet das Credo der Oberwiesenthalerin.
Eigens für die Winterspiele hatte die Überfliegerin der vergangenen drei Jahre in ihrem Helm eine kanadische 10-Cent-Münze versteckt. «Das ist eine Sonderprägung zum Jahr der Freiwilligen», beschrieb die Oberwiesenthalerin ihren Glücksbringer, nachdem sie nach ihrer letzten Fahrt zu Gold die Eisrinne von Whistler geküsst hatte. Und wie schmeckte das Eis der Bahn? «Ich habe sie ja nicht gegessen, ich habe sie geküsst. Wenn man verliebt ist, küsst man sich halt mal», erklärte Hüfner. Danach feierte sie ausgelassen mit Zimmergenossin und Bronze-Fahrerin Natalie Geisenberger, mit der sie im Sommer zu einer gemeinsamen Kajak-Tour aufbrechen will.
Nur im ersten Lauf hatte die zweimalige Weltmeisterin Hüfner Zweifel an ihren Gold-Ansprüchen aufkommen lassen. Auf Rang drei lag die große Favoritin - und schon wurden Erinnerungen an die WM vor einem Jahr wach, als die Titelverteidigerin mit Rang sechs brutal entthront wurde. Doch Hüfner konterte nervenstark, fuhr in den Läufen zwei bis vier die gesamte Konkurrenz in Grund und Boden und war danach gelöst wie selten. «Jetzt habe ich es besser gemacht», sagte Hüfner und konnte gelassen auf ihre größte Niederlage zurückblicken. «Ich habe Jahre darauf hingearbeitet, endlich ganz oben zu stehen. Ein Traum ist wahr geworden.»
Ihre Eltern und ihr Lieblingsonkel René hatten die neue Rodel- Königin bei der Fahrt auf den Olympia-Thron lauthals unterstützt, Zuspruch vor dem unter schwierigen Vorzeichen stehenden Rennen auf der entschärften Eisrinne von Whistler gab es vorher aber nicht. «Die wissen, dass sie mich in Ruhe lassen müssen. Das ist seit eh und je so, sie können im Prinzip nur was Falsches sagen vor dem Start. Dann sollen sie lieber gar nichts sagen», erklärte Hüfner. Nüchtern wie immer.
Aufregende Sekunden hatte Geisenberger im letzten Finallauf zu überstehen. Als die 22-Jährige schon zum Start ansetzte, löste ein Fotograf versehentlich einen Notknopf aus - und die Miesbacherin musste noch einmal vom Schlitten steigen. Konzentration dahin, alles noch einmal! «Das war dann ein Chaos-Lauf», beschrieb Geisenberger ihre Zitterfahrt zu Bronze. Am Ende konnte die junge Bayerin aber mit ihren Eltern und Freund Egmont ausgelassen im «Kufenstüberl» feiern. «Das war der schwerste Wettkampf meiner bisherigen Karriere», gestand Geisenberger und schenkte ihrer Bronze-Medaille einen strahlenden Blick. «Und jetzt ist es einer der schönsten Tage meines Lebens.»
Kritik am Olympia-Rennen wurde dennoch laut. «Es war unwürdig», sagte die zweimalige Olympiasiegerin Sylke Otto nach dem schwierigen Rennen. Nach dem Unfalltod des Georgiers Nodar Kumaritaschwili waren die Rodlerinnen vom ungewohnten Junioren-Start ins Rennen gegangen und hatten dabei auf den ersten Metern einen regelrechten Slalom- Schwung absolvieren müssen. «Ich denke schon, dass es Olympia-würdig ist. Wir sind im Ziel mit Tempo 135 unterwegs gewesen, das ist kein Pille-Palle», hielt Hüfners Vereinskollegin Anke Wischnewski dagegen, die als Fünfte die erhoffte Medaille klar verpasste. Dennoch war die Oberwiesenthalerin zufrieden: «Über einen fünften Platz bei Olympia wären viele froh.»
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