«Nicht Olympia-like»: Slalom-Start bei Frauen

Von Michael Fox und Frank Kastner, dpa

Noch vor einem Jahr war Top-Rodlerin Natalie Geisenberger gar nicht mehr zu bremsen vor Euphorie. «Ein traumhaft schöner Eiskanal», schwärmte die Deutsche nach ihrem Weltcup-Sieg bei der Olympia-Generalprobe auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Whistler.

Start
Natalie Geisenberger geht vom Junioren-Start ins Rennen. 

Ein Jahr später war nach dem fürchterlichen Unfalltod des jungen Georgiers Nodar Kumaritaschwili alles anders: Ein Schatten lag auf der Eisrinne, und wie schon die Männer um Olympiasieger Felix Loch mussten sich auch die favorisierten deutschen Frauen bei ihrem Griff nach Gold völlig umstellen. Wie schwierig dies war, zeigte sich beim Auftakt am Kopfschütteln und Achselzucken vieler Athletinnen. Mitfavoritin Alex Gough verabschiedete sich bereits im ersten Lauf aus dem Medaillenkampf.

Als Reaktion auf Kumaritaschwilis Tod wurde die Strecke um knapp 150 Meter verkürzt, die Athletinnen gingen vom tiefer gelegenen Junioren-Start ins Rennen. Doch glücklich über das Unvermeidliche waren die Athletinnen angesichts der nur noch 953 Meter langen Bahn nicht. Vorwürfe, sie habe den hakenartigen Junioren-Start als «Kinder-Start» bezeichnet, wies Geisenberger vehement zurück. «Das habe ich nie gesagt», sagte die 22-Jährige der Deutschen Presse-Agentur dpa. Weltmeisterin Erin Hamlin aus den USA zeigte Verständnis: «Irgendetwas musste getan werden. Das konnte ja nicht einfach ignoriert werden.»

Die zweimalige Olympiasiegerin Sylke Otto, die die Suche nach ihrer Nachfolgerin direkt an der Bahn verfolgte, fühlte mit den Sportlerinnen. «Das ist eigentlich nicht Olympia-like. Aber man kann es nicht ändern. Und es ist ja für alle gleich.» Doch gerade die starken deutschen Starterinnen, die dank Hüfner und Geisenberger die ausländische Konkurrenz im Olympia-Winter nach Belieben dominierten und in allen acht Weltcup-Rennen die Siege unter sich ausmachten, hatten mit der neuen Lösung ein Problem: Schon nach wenigen Metern macht die Bahn einen Haken, so dass etwa Geisenberger nur zwei Paddelschläge am Start setzen konnte.

«Wir haben den ganzen Sommer trainiert und sind schnell und stark. Und nun sind die besten Starter langsam», klagte die Vize-Weltmeisterin aus Miesbach. «Wir sind gute Starter, aber diese erste Kurve macht uns wieder langsam», bilanzierte auch Seriensiegerin Tatjana Hüfner.

16.02.2010


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