Snowboard-Gigant Anderson: Jetzt oder nie!

Von Christian Kunz und Michael Becker, dpa

Es ist die letzte Chance für den Snowboard-Giganten: Jasey Jay Anderson will sich bei seinen vierten Olympischen Winterspielen endlich den Traum von einer Medaille erfüllen.

Routiniert
Jasey Jay Anderson fährt im Januar 2009 in Südkorea einen Hang hinab. 

«Er ist ein ganz heißer Kandidat, der sich ganz intensiv darauf vorbereitet hat», sagte der deutsche Sportdirektor Timm Stade über den kanadischen Snowboarder. Die deutsche Mannschaft schickt zwar nur einen Starter ins Rennen des Parallel-Riesenslaloms, aber «Mr. Konstant» Patrick Bussler zählt zum erweiterten Kreis der Medaillenkandidaten. «Als Nummer Sieben im Gesamtweltcup ist er in der Lage, ein gutes Ergebnis zu machen. Er gehört aber nicht zu den absoluten Topfavoriten.»

Bussler kann, Anderson muss. Zumal es die letzte Chance des 34- Jährigen ist. Denn nach der Heim-Olympiade soll Schluss sein. «Old Man' has one more Olympic shot», schrieb die «Washington Post» über den Routinier, der eigentlich alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt. Vier WM-Titel in drei verschieden Disziplinen, dazu 26 Weltcupsiege und 59 Podestplätze in 207 Rennen. Vier Jahre nacheinander holte er sich den Gesamtweltcup, dazu nennt er auch Disziplin-Kugeln sein eigen. Fast unglaublich, dass dieser Sportler noch nie eine olympische Medaille um seinen Hals gehängt bekam. Als Fünfter in Turin kam er dem Ziel noch am nächsten. Die anderen Plätze: 16, 20, 29 - mit solchen Rängen kann sich ein Anderson einfach nicht zufriedengeben.

Zu Hause zum Abschluss seiner Karriere hat er alles auf eine Karte gesetzt. Auf den Boardercross hat er verzichtet und sich ganz auf den Parallel-Riesenslalom konzentriert. «Er ist ein kompletter Boarder, der auch schon in der Halfpipe gefahren ist und ein Boardercrosser aller erster Güte war», beschrieb Stade den Alleskönner.

Nach den Winterspielen, wo endlich «Oh Canada» für Anderson erklingen soll, will sich er sich zurückziehen. Denn einen besseren Zeitpunkt die Karriere zu beschließen gebe es nicht, sagte der Boarder. Mehr Zeit will er seinen Töchtern widmen, deren Namen wohl angelehnt an seinen Vornamen natürlich mit J beginnen: Jora and Jy.

Viel lockerer als Anderson kann Bussler an die Olympia-Aufgabe herangehen. Und vielleicht kommen dem 25-Jährigen ja am Ende die schwierigen Bedingungen zugute. Um die Wettkampf-Piste zu schonen durfte dort am 25. Februar kein Training stattfinden. «Patrick hat bei der WM in Korea gezeigt, dass er Stehvermögen hat, wenn die Bedingungen schwierig sind», lobte Stade das Riesenslalom-Ass.

Auch Bussler selbst nahm von der WM vor einem Jahr etwas mit. Damals belegte er im nicht-olympischen Parallel-Slalom Platz drei. «Es war für mich schon wichtig zu sehen, dass ich bei einem Großereignis nach vorne kommen kann», sagte der einmalige Weltcup- Podestfahrer. «Das nimmt mir ein bisschen Druck, weil ich weiß, dass ich es kann und mit ein bisschen Glück kann ich sicher auf eine Medaille bei Olympia hoffen.» Und wenn nicht: Der 25-Jährige hat noch ein bisschen mehr Zeit als Anderson.

26.02.2010


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