Kanada feiert Snowboarderin Ricker

Olympia und Lindsey Jacobellis werden keine Freunde mehr, dafür haben die Kanadier den Cypress Mountain endgültig in ihr Herz geschlossen. Snowboardcrosserin Maelle Ricker fuhr an Vancouvers Hausberg nach Freestyle-Nationalheld Alexandre Bilodeau das zweite Gold für die Gastgeber ein.

Gold
Maelle Ricker ballt nach ihrem Olympiasieg die Faust. 

«Ich fühlte die Energie der anderen kanadischen Athleten. Danke Kanada, wir haben hier so viel Spaß», schwärmte die 31-Jährige. Vor vier Jahren in Turin war sie beim olympischen Finale der besten Vier Letzte geworden. Dagegen konnte Top-Favoriten Lindsey Jacobellis, die 2006 wegen einer übermütigen Showeinlage am letzten Sprung den Sieg an Tanja Frieden (Schweiz) verloren hatte, ihre Olympia-Rechnung nicht begleichen.

Bis zum Halbfinale dominierte Jacobellis die Konkurrenz; statt des programmierten Olympiasieges sprang aber nur Platz fünf für sie heraus. Jacobellis verfehlte nach einem Fahrfehler in der Vorschlussrunde ein Tor und schied aus. Im Zielhang bewies sie zumindest eine Portion Humor, weil sie sich wieder wie vor vier Jahren artistisch ans Brett fasste. «Ich habe so vieles erreicht. Manchmal bin ich dominant, manchmal geht eben alles schief», sprach sich die zweimalige Weltmeisterin Jacobellis selbst Trost zu, um dann selbstbewusst festzustellen: «Wenn Leute über Snowboard reden, sprechen sie von mir.» Und in vier Jahren bietet sich ja in Sotschi für die 25-Jährige zumindest theoretisch eine neue Chance.

Ob vor ihrem K.o. eine leichte Berührung mit Ricker vorausgegangen war, darauf wollten sich die beiden Protagonistinnen nicht festlegen. Es war für sie schlicht nebensächlich. «So geht es eben zu im Boardercross. Ich hatte immer Spaß in diesem Sport und das wollte ich auch zeigen», erklärte die Snowboard-Blondine Jacobellis, die bis auf Olympia die Zügel in ihrer Sportart seit Jahren fest in der Hand hält. Mit dem Griff ans Brett wollte sie die Stimmung im Publikum noch einmal einpeitschen.

Und fast, aber nur fast, hätte sie damit auch Olympiasiegerin Ricker zu einem ähnlichen Kunstgriff angestachelt. Dieser war jedoch das Malheur von Jacobellis eine Warnung: «Meine Aufgabe war es, auf dem Board zu bleiben und nicht die Unterhaltung der Zuschauer», sagte Ricker. Dabei wäre es beinahe nicht zu ihrem Coup gekommen, denn nach einem Sturz in der Quali drohte das vorzeitige Aus - aber aufgrund des guten zweiten Laufs kam sie noch weiter. «Zuerst war es ein Desaster, aber dann habe mich einfach darauf konzentriert, was ich kann», sagte Ricker, die sich im Finale gegen die Französin Deborah Anthonioz durchsetzte. Bronze ging an Olivia Nobs (Schweiz). Deutsche waren nicht am Start.

Stockerl
Deborah Anthonioz (l-r), Maelle Ricker und Olivia Nobs stehen auf dem Treppchen. 
Trio
Deborah Anthonioz (l-r), Maelle Ricker und Olivia Nobs jubeln gemeinsam. 
Hoch
Maelle Ricker beim Schlusssprung in Richtung Ziel. 
Vancouver 2010 - Snowboard
Maelle Ricker springt im finale der Goldmedaille entgegen. 
Spaß
Olivia Nobs feiert den Sieg in ihrem Viertelfinale 
17.02.2010


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