«Rallye auf Schnee» der Hit: Für Stickl ein Hammer

Von Andreas Schirmer, dpa

Die Rallye-Fahrer des Wintersports sind mit ihren abenteuerlichen Fahrten gleich bei ihrer Olympia-Premiere zu einem Hit der Vancouver-Spiele geworden.

Vierkampf
Simon Stickl (r) fährt beim Ski Cross gegen drei Konkurenten. 

«Skicross hat sicher eine Zukunft. Das wird auch das Internationale Olympische Komitee genauso positiv werten», meinte der deutsche Teamchef Wolfgang Maier nach dem Debüt der «Gladiatoren auf Ski» am Cypress Mountain. Simon Stickl aus Bad Wiessee schrieb zwar als Nummer eins der 33 Starter Olympia- Geschichte, musste aber seinen Traum von einer Medaille und einer besseren PR für die Fun-Disziplin als Achtelfinal-Dritter begraben. «Es hängt nicht alles von einem Rennen ab, auch wenn die ganze Welt zugeschaut hat», sagte er. «Die nächsten Spiele gehören mir.»

Nicht einverstanden war Maier, der als deutscher Alpin-Chef auch die bei Olympia unter Freestyle eingeordneten Skicrosser betreut, mit dem schnellen Aus für Stickl. Der gestürzte Norweger Anders Rekdal hatte Stickl beim zweitletzten Sprung ins Straucheln und um den Viertelfinal-Einzug gebracht. «Da muss man nachbessern. Ich kann das Ausscheiden nicht verstehen, weil ihm jemand vor die Füße gefallen ist», kritisierte Maier, «das hat mit Fairness nichts zu tun.» Mit zunehmender Bedeutung dieses Sports müsste es neue Regeln für die Sicherheit geben. «Es war jetzt das erste Mal, aber wenn es um Geld, Ruhm und Ehre geht, dann sieht es schon anders aus», erwartet er.

Für den 22-jährigen Sportsoldaten hingegen sind diese Schikanen, Ruppig- und Unabwägbarkeiten bei den Rennen im Vier-Fahrer-Pulk das Salz in der Suppe. «Das setzt viel Adrenalin frei, macht Riesenspaß», meinte Stickl, der als erster Deutscher ein Weltcup-Rennen gewinnen konnte und dem Skicross als Ex-Alpiner verfallen ist. «Wenn Du damit anfängst, kannst Du nicht mehr aufhören.» Trotz seines mageren 19. Platzes ist er überzeugt, dass die Fun-Disziplin einen Schub bekommt: «Es war ein Hammer und es hat so spektakuläre Bilder gegeben, dass die Deutschen merken, was für eine interessante Sportart es ist.»

Auch «Oldie» Martin Fiala, 31. im Endklassement, glaubt auf die Initialzündung für Skicross. «Ich hoffe nun, dass die Medien darauf aufmerksam werden, die Verbände aufwachen. Sie müssen alle sagen: Das ist ein Knaller», meinte der 42-jährige Unternehmer aus Obermaiselstein. Für den früheren Abfahrtsläufer, der seine erste Karriere 1995 beendete, ist das Abenteuer Skicross zu Ende gegangen. «Auch, wenn ich mir hier mehr gewünscht hätte. Es hat sich gelohnt, weil ich eigentlich gedacht hatte, nie wieder Rennen zu fahren», sagte er. «Für mich war wie eine Verjüngungskur. Ich durfte noch einmal als Athlet denken, leben und atmen.»

Nach einer kurzen Verschnaufpause werden die deutschen Skicross-Damen Julia Manhard (Füssen), Anna Wörner (Garmisch-Partenkirchen) und Heidi Zacher (Lengries) ihr Glück beim Gerangel auf der 1144 Meter langen Piste mit 16 Sprüngen versuchen. «Wir sind alle ein Team. Sie müssen es nun raus reißen», hofft Stickl auf «Frauen-Power» made in Germany.

Das Erfolgsrezept lieferte dem Trio der erste Skicross-Olympiasieger der Geschichte. «Es ist immer einfacher vorne zu sein, als hinterher zu fahren», sagte der Schweizer Michael Schmid, der im Sommer als Straßenbauer arbeitet und weiß, wo es lang geht. Einen weiteren Tipp kam von dem Österreicher Andreas Matt, der als Zweiter vor Audun Groenvold (Norwegen) ins Ziel kam: «Ich wusste, dass Mike sehr schnell ist, da habe ich mich einfach ran geklemmt.»

22.02.2010


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