Weber-Kritik an Schouten: Konzept-Wandel nötig

Von Frank Thomas, dpa

Nach dem Desaster der deutscher Eisschnellläufer in Richmond hat Marco Weber sein Schweigen gebrochen und die Konzepte von Bundestrainer Bart Schouten kritisch hinterfragt.

Ausdauernd
Marco Weber läuft in Richmon die 10 000 Meter. 

«Ich habe menschlich nichts gegen Bart Schouten. Aber mit seiner Philosophie komme ich nicht klar», stellte der für München startende Sachse nach seinem zehnten Platz über 10 000 Meter unmissverständlich klar und knüpfte die Fortsetzung seiner Laufbahn direkt an ein Umdenken im Verband und eine neue Trainings-Philosophie.

Weber profitierte von der Disqualifikation von Top-Favorit Sven Kramer, kam auf das mit Abstand beste Olympia-Resultat der deutschen Herren und wird künftig als einziger die A-Kader-Förderung genießen können. «Das war aber weit weniger, als ich mir erhofft hatte. Ich bin durch die Scheiße gegangen, um hierherzukommen. Ich habe alles versucht, was man machen kann. Aber angesichts der Umstände ging nicht mehr», gab der 27-Jährige zu.

Jetzt sei wichtig, mit welchem Trainer die DESG weiter arbeitet. «Davon ist auch mein weiterer Weg abhängig. Ich werde nicht abwarten, sondern voll in die Offensive gehen und alles auf den Tisch bringen», sagte der Chemnitzer. «Die Frage 'Schouten oder ich' ist Blödsinn, mir geht es um Inhalte. Um das, was Bart Schouten hier gemacht hat», kritisierte er und erinnerte daran, dass gute Läufer wie Tobias Schneider nicht mal den Sprung zu den Winterspielen geschafft hätten.

Weber hatte schon nach dem peinlichen Verpassen der Olympia-Tickets für die Team-Konkurrenz dem Niederländer Schouten die Zusammenarbeit gekündigt und sich allein unter Heimcoach Jan Coopmans auf Olympia vorbereitet. «Ich brauche eine andere Handschrift, mit Schouten komme ich nicht zurecht. Immer alles zu machen, liegt mit nicht. Ich brauche einen konstruktiven Aufbau», forderte er ein. Indirekt kritisierte Weber auch das Herangehen von Schouten, schon vor vier Jahren lautstark Olympia-Medaillen anzukündigen. «Wir sind keine Pessimisten. Aber es reicht nicht zu sagen, wir wollen Medaillen.» Insofern hätte der Verband härter durchgreifen müssen, meinte Weber.

Schouten hatte nach dem Negativ-Ergebnissen von Richmond bereits Fehler eingeräumt. «Wir sind weit weg von den gestellten Zielen. Ich habe vor dreieinhalb Jahren alles viel zu positiv eingeschätzt», gab der 42-Jährige zu. Nichts sei so gelaufen, wie alle sich das vorgestellt hätten. «Ich habe die Messlatte zu hoch gelegt. Ich war nicht in der Lage, die Jungs richtig zu motivieren», erklärte er selbstkritisch.

24.02.2010


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