Sablikova zittert: Beckert greift nach Gold

Von Frank Thomas, dpa

Dem Silber-Glanz soll der Gold-Coup folgen: Die coole Kufen-Lady Stephanie Beckert greift auf 5000 Meter nach den Sternen. Obwohl die stille Thüringerin eine Kampfansage für das Rennen scheut, trauen Experten nur der Erfurter Blondine den Sturz der Top-Favoritin Martina Sablikova zu.

Formstark
Stephanie Beckert bei ihrem Silberlauf über 3000 Meter. 

Und selbst die Weltrekordlerin aus Tschechien zeigt höchsten Respekt vor der deutschen Newcomerin: «Es ist kein Geheimnis: Sie ist meine gefährlichste Rivalin.» Allerdings erwischte Beckert eine schwere Auslosung. Sie trifft im siebten und vorletzten Paar auf die Kanadierin Kristina Groves, während Sablikova für das letzte Duo ausgelost wurde. Die Tschechin tritt dabei gegen Beckerts Team-Gefährtin Daniela Anschütz-Thoms an. Auch über 3000 Meter war Beckert gegen Groves gelaufen, hatte die Kanadierin im Schluss-Spurt überholt und Silber hinter Sablikova gewonnen.

Dem deutschen Eisschnelllauf hatte die 21-Jährige mit ihrem 3000- m-Rennen einen Silberstreif am Horizont verschafft und sich selbst zugleich mit Labrador-Hündin «Trixie» belohnt. «Ich habe gesagt, zu 100 Prozent gehört ihr Trixie erst bei einer Medaille in Vancouver. Mit Silber hat sie alle unsere Erwartungen übertroffen», meinte Vater Detlef Beckert nach der Show seiner Tochter mit einem Schmunzeln.

Seit der vierten Klasse hatte sich seine Steffi sehnlichst einen Hund gewünscht. «Und der Papa hatte ihn mir immer versprochen, wenn ich eine Olympia-Medaille hole. Aber dann habe ich Trixie doch schon zum 20. Geburtstag bekommen. Da meinte Papa, die Medaille kann ich ja nachholen», erzählte die schüchterne Frau mit dem Pferdeschwanz.

Manager Klaus Kärcher hat das Vermarktungs-Potenzial von Beckert entdeckt, die scheinbar als einzige in der Lage ist, in die Fußstapfen einer Gunda Niemann, Claudia Pechstein, Anni Friesinger oder Jenny Wolf zu treten. «Ich mag sie, wie sie ist und habe ihr nur eine Devise auf den Weg gegeben: Immer offen und ehrlich sein», sagte der Schwabe. Stephanie sei nicht der Typ, der endlose Plauderstunden mit Journalisten abhalte. «Sie ist kein extrovertierter Typ. Aber sie kommt gut an. Und ich denke daran, wie sich einst Michael Schumacher vor laufenden Kameras schwergetan hat», erläuterte Kärcher. Er weiß, dass jetzt er am Zuge ist, was die Suche nach Sponsoren betrifft. «Sie hat vorgelegt. Mein Bestreben ist es jetzt nachzuziehen.»

Bitten des Fernsehens nach einem Dreh in Downtown lehnte Beckert bislang beharrlich ab, um sich auf die längste Strecke zu konzentrieren. «Abgelenkt habe ich mich nur beim Fernsehen. Ich nehme alles mit, fühle mit den anderen Deutschen», meinte sie gut gelaunt trotz eintöniger Trainingsrunden Tag für Tag im Oval. «Ich bin total happy und will jetzt meinen Lauf genießen», sagte sie. Druck lässt sie nicht an sich heran. Wie der Erfolg von Richmond künftig ihr Leben verändern wird, ahnt sie noch nicht. «So richtig kommt das alles erst, wenn ich wieder zu Hause bin.» Wahrscheinlich wird sie dann auf dem Erfurter Anger öfter angesprochen als ihr lieb ist.

Für Coach Stephan Gneupel ist am Thron von Sablikova kaum zu rütteln. «Steffi und Clara Hughes werden um Silber laufen», sagt der Thüringer voraus. Sablikova hatte sich nach Gold über 3000 Meter per E-Mail bei ihrer einstigen Trainingsgefährtin Claudia Pechstein bedankt: «Claudi, ich bin heute für Dich gefahren. Danke für alles», schrieb die Tschechin der gesperrten Berlinerin, die 22. Februar ihren 38. Geburtstag feierte und die Strecke zwischen 1994 und 2002 dreimal dominiert hatte.

24.02.2010


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