Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Savchenkos Tränen, Steuers Wut: Druck zu groß
Von Britta Körber, dpa
Aljona Savchenko schluchzte in den Armen von IOC-Vizepräsident Thomas Bach, ihr Trainer Ingo Steuer wütete dagegen vor der versammelten Weltpresse.
Während die Bronzemedaillen-Gewinnerin mit einer Kampfansage für Sotschi 2014 überraschte und ihr Goldprojekt mit Robin Szolkowy fortsetzen will, setzte der streitbare Coach wieder einmal alles aufs Spiel. «Es ist ein sehr schmerzliches Erlebnis. Ich kann das nicht nachvollziehen, Robin bringt das doch im Training», schimpfte der Coach. «Wenn er beim Doppel-Axel nicht gestürzt wäre, hätte es zu Gold gereicht.» Keine 24 Stunden später bereute der 43-Jährige die harten Worte: «Manches Wort wurde auf die Goldwaage gelegt», sagte der 43-Jährige, «wir sind ein Team, und ich bin unwahrscheinlich stolz auf die Leistung der Zwei. Ich bin nicht einfach, aber die Sportler wissen, was sie an mir haben.»
Der Gescholtene blieb wie immer gelassen: «Ich kann das locker nachvollziehen, er will mich nicht fertigmachen», sagte Szolkowy. «Ich kann mir vorstellen, dass der Robin die Nase voll hat», mutmaßte die zweimalige Olympiasiegerin Katarina Witt in der ARD. Auf eine Fortsetzung der Karriere wollte sich der 30-Jährige nicht festlegen: «Alles ist offen.»
«Der Traum bleibt», sagte Savchenko noch in den Katakomben des Pacific Coliseum von Vancouver, «natürlich möchte ich mit ihm weiterlaufen». Die Wahl-Chemnitzerin machte sich nichts aus Steuers Worten - die ständige Kritik gehört für die ehrgeizige Weltmeisterin zum Alltag. Zudem versucht sie seit einiger Zeit zusammen mit dem Coach, Szolkowy zu überzeugen, noch nicht Schluss zu machen. Der geduldige Sachse hatte in den vergangenen Jahren bei Misserfolgen fast immer die Schuld bekommen, sich aber meist auf die Zunge gebissen und an die olympische «Goldmission» gedacht. Wäre er nicht so ausgleichend, hätte es das Erfolgspaar schon lange nicht mehr gegeben.
«Der Druck, den man sich selbst macht während der langen Vorbereitung auf Olympia, war vielleicht zu viel für mich», räumte Szolkowy ein. Doch auch seine vier Jahre jüngere Partnerin lief in der Kür zu «Jenseits von Afrika» nicht perfekt. Ihr fehlte eine Umdrehung beim Toeloop. Die 210,60 Punkte für die Doppel-Weltmeister konnten sogar noch von den Chinesen Pang Qing/Tong Jian (213,31) übertroffen werden. Dieses Paar hatte niemand auf der Rechnung.
«Letztendlich war es so, dass die beiden an dem Druck zerbrochen sind», analysierte Witt. Bei der Aufarbeitung der Niederlage wird sich aber auch Steuer fragen lassen müssen, ob er seinen Läufern nicht zu viel zugemutet hat. Schon die Idee der Kürmusik des von Stargeiger André Rieu umgewandelten Fußball-Songs «You'll never walk alone» ging zum Saisonbeginn in die Hose. Steuer wollte etwas so Besonderes kreieren, wie es die legendären Eistänzer Jayne Torvill/Christopher Dean 1984 bei ihrem Olympiasieg mit dem unvergessenen «Bolero» geschafft haben. Doch damit hat er sich übernommen.
Statt dann zur exzellenten Vorjahreskür «Schindlers Liste» zurückzukehren, mussten Savchenko/Szolkowy auf die Schnelle umlernen. Auch die heftige Grippe der gebürtigen Ukrainerin hat das Duo noch einmal zurückgeworfen. Statt den Erwartungsdruck zu verringern, betonte Steuer in jedem Interview, nur Gold zähle. «Es war brutal schwer», gab Savchenko zu. Sie ist die treibende Kraft in der erfolgreichen Verbindung, die diese olympische Niederlage erst einmal verdauen muss.
«Sie sind aus dem Holz, aus dem Champions geschnitzt sind», rief Bach dem deutschen Paar zu und machte ihnen Mut für die Zukunft, in der die Olympiasieger Shen Xue/Zhao Hongbo ihnen nicht mehr im Wege stehen werden. «Warte nicht, bis du 36 bist, um Gold zu gewinnen», lautete der Rat des reifen Zhao nach dem Triumph mit der Weltrekord- Zahl von 216,57 Punkten an den sechs Jahre jüngeren Szolkowy.
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