Pluschenko will historisches Olympia-Double

Von Britta Körber, dpa

Jewgeni Pluschenko lässt keinen Zweifel daran, wer der König der Eiskunstlauf-Wettbewerbe in Vancouver sein wird.

Zielsetzung
Jewgeni Pluschenko will als erster russischer Eiskunstläufer zum zweiten Mal Gold bei Olympia holen. 

Ohne ein Wort, aber mit einem selbstgefälligen Grinsen schreitet der Olympiasieger von 2006 raschen Schrittes auf seinen Kufen über den Teppich in der Mixed-Zone an Kameras und Mikrofonen vorbei. Er muss nicht reden. Für ihn ist alles gesagt vor dem ersten Teil seiner Audienz, deren Entscheidung einer der Höhepunkte der Winterspiele werden wird. «Ich bin jetzt schon der Größte», sagte der 27-Jährige vor einem Monat nach seinem sechsten Titel bei Europameisterschaften.

Doch warum sich der St. Petersburger den Stress der Rückkehr in den Wettkampf noch einmal antat, ist klar: Es war die Motivation, als erster Russe zweimal bei Olympia zu triumphieren. Dieses Kunststück schaffte zuletzt der Amerikaner Dick Button 1952 - aber kein Landsmann des blonden Sprungkünstlers.

Allein hätte Pluschenko, der zehn Kilo abnehmen musste und trotz Knieschmerzen nie aufgab, die Rückkehr nicht geschafft. Doch seine zweite Ehefrau Jana Rudkowskaja, eine erfolgreiche Musikproduzentin, kitzelte ihn mit der Idee, in die Geschichte einzugehen. «'Ein echter Held bist du erst, wenn du zweimal bei Winterspielen gewonnen hast', sagte meine Frau zu mir», erzählte Pluschenko im Interview mit der «Welt am Sonntag».

Nach dreieinhalb Jahren Pause kam der Russe im Januar zurück, lief bei der EM sogleich in einer eigenen Liga und kündigte ganz kess weitere Höchstschwierigkeiten für den Saisonhöhepunkt an: zwei vierfache Sprünge wolle er im Pacific Coliseum von Vancouver zeigen. Und überhaupt: Dass die letzten beiden Weltmeister (aus Kanada und USA) ohne vierfaches Element triumphiert hätten, sei eine Schande für den Sport. Lob und höchste Anerkennung kam vom ehemaligen kanadischen Star Elvis Stojko: Pluschenko laufe «sauber, stark, männlich und mächtig». Stojko wurde prompt vom eigenen Verband zurückgepfiffen: Er bekam einen Brief und sollte erklären, was er denn mit «männlich» meine.

Schon Wochen vor Olympia brachten sich die Eiskunstlauf-Verbände in Stellung, heizten die Diskussion um den besseren Laufstil an. So sorgte die E-Mail des US-Preisrichters Joe Inman für Furore, der Kritik an der Bevorzugung der Läufer aus Europa übte. Inman arbeitete auch an einem Lehrvideo für Preisrichter mit, das anhand von Pluschenkos Olympia-Kür von 2006 Mängel im den Passagen zwischen den Sprüngen aufzeigt. Nach einem Protest des russischen Verbandes angesichts von Pluschenkos Comeback wurde die Passage ersatzlos entfernt.

15.02.2010


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