Olympische Winterspiele 12. - 28.02.10
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Lysacek Olympiasieger - Nur Silber für Pluschenko
Der Amerikaner Evan Lysacek ist Olympiasieger im Eiskunstlaufen. 22 Jahre nach Brian Boitano gewann der 24-Jährige in Vancouver die Goldmedaille für sein Land und trug sich damit als siebter US-Sportler in die Siegerliste bei Winterspielen ein.
Der Kalifornier Lysacek lächelte die harschen Worte des schlechten Verlierers Jewgeni Pluschenko einfach weg. «Wenn ein Olympiasieger keinen Vierfach-Sprung beherrscht, dann weiß ich auch nicht», schimpfte der russische Silbermedaillen-Gewinner, «das ist kein Eiskunstlauf für Männer, das ist Eistanzen.» Die flüssige Kür des 24 Jahre alten Weltmeisters aus den USA war aber mitnichten nur eine Tanzeinlage. Im Gegenteil: Lysacek schlug den Sieger von 2006 sogar mit dessen eigenen Mitteln. Die Sprünge waren blitzsauber, die Pirouetten einwandfrei. Pluschenko vermied hingegen beim «Liebestango» gerade noch einen Sturz beim Dreifach-Axel, aber er wackelte gewaltig. Dennoch verteilte er nach der Kür siegessicher Handküsse und ließ sich feiern.
«Wenn es ein Sprungwettbewerb wäre, würden wir zehn Sekunden für den besten Sprung bekommen», entgegnete Lysacek cool. «Es geht um die gesamte Vorstellung in 4:40 Minuten vom Anfang bis zum Ende. Und ich habe das Gefühl, es sehr gut gemacht zu haben.» Seit Brian Boitano 1988 in Calgary gab es keinen Olympiasieger aus Nordamerika mehr, erst Lysacek beendete nach 22 Jahren die russische Ära. Bronze an den Japaner Daisuke Takahashi ging da ganz unter.
«Die Preisrichter sind auf einem Auge blind», kritisierte Pluschenkos Coach Alexej Mischin, dem unbegreiflich ist, dass die schwere Kombination aus vierfachem und dreifachem Toeloop so wenig Punkte brachte. Der Stachel saß tief bei seinem Schüler, der nun sogar Richtung Sotschi 2014 schielt: «Nach dieser Niederlage werde ich meine Hände nicht in den Schoß legen und aufhören.» Dann wird er 31 sein und seine Knie werden kaum weniger schmerzen - eine Folge des ewigen Sprungtrainings.
Auch sein Rivale hat seine körperlichen Malaisen: Nach einem Ermüdungsbruch im vergangenen Jahr wurde Lysacek vorsichtiger, dann verpatzte er den Vierfach-Toeloop bei den nationalen Meisterschaften und entschied sich gegen das Risiko. Belohnt wurde er für seine ausgefeilte Schlittschuh-Technik und seinen Laufstil.
Mit ganz viel Pech und fern der Weltspitze ging die Karriere von Stefan Lindemann im Pacific Coliseum zu Ende. Auf dem Weg zum Morgentraining blockierte seine Lendenwirbelsäule, nur fitgespritzt konnte der Erfurter aufs Eis gehen. «Das war nicht der Abschluss, den ich mir gewünscht habe», sagte der 29-Jährige, der auf Platz 22 sogar noch einen Rang schlechter abschnitt als in Turin 2006. Außer einem dreifachen Axel war kein Sprung makellos.
Dennoch war der Auftritt in Vancouver für den Thüringer nach der Bronzemedaille bei der Weltmeisterschaft 2004 das schönste Erlebnis seines Sportlerlebens. «Ich wäre sehr enttäuscht, wenn es für mich um Gold gegangen wäre», sagte Lindemann, «aber so bin ich stolz, dass ich nach zwei Jahren Verletzung zurückgekommen bin.» Trainerin Viola Striegler, die zur WM im März nun mit ihrem zweiten Läufer Peter Liebers nach Turin fährt, will ihren Schüler als Assistenten in Berlin aufbauen: «Er ist für viele ein Vorbild, ich bin sehr stolz auf ihn.»
Zwar muss Lindemann erst den Trainerschein bestehen, doch schon in der Olympia-Stadt kann er erste Erfahrungen im Coaching sammeln. Weil Trainer Peter Sczypa nach der Kür der Damen abreist, wird Lindemann die 16-jährige Sarah Hecken beim letzten Training betreuen.
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