Kim hofiert wie Lady Di - Tragödie um Rochette

Von Britta Körber, dpa

Sie wird hofiert wie Lady Di, gibt Pressekonferenzen wie ein Popstar und will als James-Bond-Girl zur Eis-Queen der Winterspiele werden.

Favoritin
Kim Yu-na ist die große Favoritin im Eiskunstlauf bei den Olympischen Spielen. 

Die Südkoreanerin Yu-Na Kim wünscht sich nach ihrer Kür nur eine Schlagzeile: «Ich möchte diese Worte lesen: 'Olympiasiegerin Kim'», sagte die 19 Jahre alte Weltmeisterin vor ihrer Ankunft in Vancouver. Mit acht Millionen Dollar Einkommen pro Jahr gehört Kim zu den Topverdienern bei Olympia - ob sie dem unglaublichen Druck aus ihrer Heimat standhalten wird, ist die große Frage vor der mit Spannung erwarteten Damen-Konkurrenz am 23. Februar.

Eine ihrer härtesten Konkurrentinnen, die kanadische Vize-Weltmeisterin Joannie Rochette, musste einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Ihre 55 Jahre alte Mutter starb nach ihrer Ankunft in Vancouver vermutlich an Herzversagen. Vater Normand, der mit seiner Frau aus Montreal zur Unterstützung angereist war, überbrachte die Nachricht seinem einzigen Kind im olympischen Dorf. Die 24-Jährige will trotz der Tragödie an den Start gehen. Sie ist seit der Silbermedaille von Liz Manley 1988 in Calgary die größte Medaillenhoffnung des Gastgebers.

Eine Eiskunstläuferin aus Südkorea lief noch nie um Gold mit. So verfolgten mehr als ein Dutzend Kamerateams das erste Training des zierlichen Teenagers. Eine Managerin zensierte die Fragen, sie selbst lächelte scheu und machte einen Knicks nach belanglosen Antworten zu ihrer Verfassung: «Ich fühle mich gut auf dem Eis. Und weil ich ja in Toronto lebe, habe ich keinen Jetlag.»

Sie trainiert seit drei Jahren bei Brian Orser, dem Olympia-Zweiten von 1984 und 1988, der im Gegensatz zu seiner schüchternen Schülerin ganz entspannt wirkt. «Natürlich will sie Gold, dafür sind wir hier», sagte der Kanadier, «wenn sie ihr Bestes gibt, ist sie nicht zu stoppen.»

Kim fährt kaum noch nach Korea - zu sehr erdrückt sie der Promi-Status. Das Grand-Prix-Finale 2008 verlor sie vor heimischen Fans, die mit «Queen Yu-Na» Plakaten winkten und schon beim Einlaufen so sehr kreischten, dass sie überlegte, gar nicht mehr anzutreten. In Tränen aufgelöst, stolperte sie später vom Eis. Sie verlor das letzte Mal gegen die gleichaltrige Japanerin Mao Asada, die als erste Frau zwei dreifache Axel in einem Programm zeigte und dies auch auf olympischem Eis tun will.

«Es ist unglaublich, wenn wir in Korea sind, braucht Yu-Na Bodyguards und wird verehrt wie Lady Diana», berichtete Orser, der die bescheidene Sportlerin ganz vorsichtig an den großen Triumph heranführen will. Sie habe mal eben so 100 000 Dollar für die Haiti-Hilfe gespendet und es ihm nicht einmal erzählt.

Damit die 1,62 Meter kleine Asiatin nicht verkrampft, wohnt sie wie alle anderen im Olympischen Dorf. «Ich habe die Erfahrung von zwei Winterspielen. Ich möchte, dass sie auch die olympischen Momente, das Besondere spürt», erzählte Orser, der 1988 in Calgary mit dem «Battle of the Brians» («Kampf der Brians») gegen Brian Boitano das eislaufverrückte Kanada elektrisierte. Wegen Orser hat Kim in Vancouver fast ein Heimspiel.

In der gleichen Trainingsgruppe wie die grazile Kim dreht auch das deutsche Mannschaftsküken Sarah Hecken ihre Kreise - allerdings auf einem anderen Niveau. Sie ist drei Jahre jünger als Kim und ebenso Olympia-Debütantin wie die Weltrekordhalterin. «Wenn sie das Finale der besten 24 erreicht und besser als bei der Europameisterschaft läuft, sind wir zufrieden», sagt Elke Treitz, Vizepräsidentin der Deutschen Eislauf-Union. Bei der EM im Januar in Tallinn stürzte die Mannheimerin auf die Hand, musste wochenlang einen Gips tragen und war bitter enttäuscht über Platz 16. In Vancouver will sie zeigen, dass ihre Stärken «die Sprünge und die Nerven sind», wie sie von sich sagt.

21.02.2010


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