Vancouvers Hit: Eishockey als Supershow

Von Christian Hollmann und Heiko Oldörp, dpa

Supershow mit Suchtfaktor: Das olympische Eishockey-Spektakel war der Hit von Vancouver. Quotenknüller fürs TV, Straßenfeger in der Gastgeber-Stadt und Bilderbuch-Werbung für den Sport.

Pariert
Kanadas Superstar Sidney Crosby scheitert am deutschen Goalie Thomas Greiss. 

«Das ist etwas Fantastisches. Es ist Religion für die Kanadier. Und das trägt zum Erfolg dieser Spiele bei», sagte IOC- Präsident Jacques Rogge der Deutschen Presse-Agentur dpa schon bei Halbzeit des Turniers, das mit dem Traum-Finale zwischen Kanada und den USA seinen Siedepunkt erreicht.

Abseits des Canada Hockey Place rang das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit Nordamerikas Profiliga um künftige Einsätze der NHL-Stars. Die Mega-Party im Eis-Tempel aber lässt allen Seiten nur eine Wahl: Auf die weltbesten Cracks kann auch Sotschi 2014 nicht verzichten. «Wir werden diese Frage nach den Spielen angehen müssen», mahnte Weltverbands-Präsident René Fasel. «Das ist eine einmalige Chance, unseren Sport drei Milliarden TV-Zuschauern zu präsentieren.»

«Team Canada» mit Sidney Crosby, Russlands Kufenflitzer um Alexander Owetschkin oder die wilden US-Boys - Eishockey in Vancouver hatte mehr als ein «Dream Team». Die zwölf Mannschaften brachten Spieler mit einer Gesamt-Gehaltssumme von weit mehr als 370 Millionen Euro aufs Eis. Wie Amerikas Basketballer seit 1992 in Barcelona Sommer-Olympia verrückt machen, stellten die «Hockey-Helden» Kanada auf den Kopf. «Elektrisch», beschrieb «Sid the Kid» Crosby die Olympia-Atmosphäre. In Vancouver war nicht nur die Arena in ein Meer roter Trikots getaucht. Auch auf den Straßen, in Kneipen, Cafés und Supermärkten bekannte sich die große Mehrheit im Jersey mit dem «Ahornblatt» zu ihren Lieblingen.

Die Tickets für die Top-Spiele bescherten den Schwarzmarkt-Händlern ein Riesengeschäft. Für bis zu 10 000 kanadische Dollar (rund 7000 Euro) werden Endspiel-Karten gehandelt. Promis wie Schwimm-Superstar Michael Phelps, die US-Schauspieler Donald Sutherland und Vince Vaughn, «Star Wars»-Mime Hayden Christensen und US-Vizepräsident Joe Biden konnten sich dem Bann der Puckjäger nicht entziehen.

Auch der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU) schauten im Canada Hockey Place vorbei, hatten an den Spielen der deutschen Mannschaft aber nicht viel Freude. Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) verlor alle vier Partien - die schlechteste Olympia-Bilanz der Verbandsgeschichte. «Eine harte Schule», meinte DEB-Generalsekretär Franz Reindl, hoffte aber auf einen Werbeeffekt des Schaulaufens der Eis-Millionäre für die Heim-Weltmeisterschaft im Mai. «Dann wollen wir Eishockey auf Weltklasse-Niveau präsentieren», versprach Reindl. Vancouver 2010 aber wird kaum zu toppen sein.

28.02.2010


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