Party bei goldener Revanche: Kanada in Ekstase

Von Cord Heine, dpa

Ein Land liegt sich in den Armen: Nach dem knappen Sieg im Eishockey-Endspiel gegen die USA kannte der Jubel in Kanada keine Grenzen. Wie überall zwischen Atlantik und Pazifik feierten die kanadischen Eishockey-Fans auch in Vancouver eine ausgelassene Riesenparty.

Open Air
Die kanadischen Fans feiern ihren goldenen Abschluss im Eishockey. 

«Gold, Canada, Gold» oder «Ihr könnt uns nur einmal in 50 Jahren schlagen» war auf Transparenten zu lesen. Auf der für die Olympia-Zeit in eine Fußgängerzone umfunktionierten Robson Street jubelten Groß und Klein, Jung und Alt gemeinsam.

Kaum jemand, der nicht mindestens ein Ahornblatt zur Schau stellte - in eine Flagge gehüllt, auf den beliebten roten Fausthandschuhen oder gleich auf einem goldfarbenen Umhang im Superman-Stil. Um die Feierlichkeiten im Zaum zu halten, hatte die Polizei von Vancouver eine frühzeitige Schließung der Spirituosenläden veranlasst. Die «Liquor Stores» machten bereits um 14 Uhr dicht. Neben dem Großbildschirm in der Innenstadt auf dem Robson Square war das Fernsehstudio des Olympia-TV-Senders CTV auf der Robson Street der «heißeste» Platz während der Partie.

Viele Fans mussten allerdings mit einem Hörspiel vorlieb nehmen, denn das «Public Viewing» war vor allem vor den beiden kleinen Fernsehschirmen bei CTV kein wirkliches Vergnügen. «Das hätte man wirklich besser machen können», zeigte sich Studentin Rebekkah enttäuscht. «Aber hier zählt irgendwie wohl mehr der Geist der Gemeinschaft, man will zusammen jubeln».

Janet und Lawrence, die eigens aus dem 70 Kilometer entfernten Abbotsford nach Downtown Vancouver gekommen waren, verbrachten die meiste Zeit mit der Suche nach einem Fernseher. «Schade, jetzt verpasse ich das Spiel noch», wunderte sich Lawrence, dass Vancouver nicht mehr Großbildschirme aufgestellt hatte. «Aber so können wir morgen wenigstens unseren Kindern erzählen, dass wir dabei waren».

Gefragt war, was gefiel. Die Eishockey-Fans wetteiferten um das beste Outfit, die schönste Gesichtsbemalung oder die lustigste Kopfbedeckung. Ob aufblasbarer Helm oder Kanada-Schutzschild: Die Euphorie förderte eine kaum gekannte Kreativität zutage. Selbst Schwarzhändler zeigten sich da gnädig und verlangten nur 10 Dollar (6,95 Euro) für eine Flagge mit dem Ahornblatt. USA-Fan Bob, der eigens für das Eishockey-Gruppenerlebnis zum Endspiel nach Vancouver gereist war, fühlte sich in der Masse sogar wohl: «Ich bin hier mit meinem Fähnchen zwar in der Unterzahl, aber alle sind total nett».

Schon Stunden vor dem mit Spannung erwarteten Olympia-Finale, das zur Revanche für die 3:5-Vorrundenniederlage der Ahornblätter gegen die Erzrivalen wurde, hatte Vancouver das Eishockey-Fieber erfasst. Tausende Fans strömten schon morgens um 8 Uhr zum Eishockey-Tempel «Canada Hockey Place». Die U-Bahn-Waggons Richtung Innenstadt glichen großen Sardinendosen. Vor Kneipen und Restaurants bildeten sich lange Schlangen.

Das Endspiel bildete den sportlichen Schlusspunkt der XXI. Olympischen Winterspiele. Kanada gewann seine 14. Goldmedaille - so viele hatte nie zuvor eine Nation bei Winterspielen geholt. Für die USA bedeutete die Silbermedaille der Kufencracks, die die Gesamtausbeute auf 37 Edelmetall-Plaketten schraubte, ebenfalls eine olympische Bestmarke.

01.03.2010


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