Giganten-Gipfel um Gold: Kanada will Revanche

Von Heiko Oldörp, dpa

Gigantischer Abschluss, grandioser Schlusspunkt: Die Eishockey-Euphorie in Vancouver strebt ihrem finalen Höhepunkt entgegen. Am «Super-Sonntag Teil 2» wollen Kanadas Kufencracks die Krönung.

Goalie
Roberto Luongo jubelt über den Einzug ins Endspiel. 

Im sehnlichst erwarteten Olympia-Endspiel gegen die USA heißt es für die Eishockey-Supermächte Gold oder Blech, Titel oder Trauma, denn Silber wäre für die NHL-Stars auf beiden Seiten nichts wert. Eine Woche nach dem «Warm-up» in der Vorrunde, den die US- Amerikaner mit 5:3 gewannen, wollen die Kanadier Revanche.

«Unser erstes Duell war schon intensiv und emotional. Doch das war nichts zu dem, was es am Sonntag geben wird», sagte Kanadas «King of Hockey», Sidney Crosby. «Dieses Endspiel will jeder sehen, besonders nach unserem Sieg in der Vorrunde», betonte US-Stürmer Patrick Kane. Auch die USA haben noch eine Olympia-Rechnung offen. Vor acht Jahren in Salt Lake City verdarben die Nachbarn aus dem Norden das eigene Heimspiel. Mit 5:2 siegten die «Ahornblätter» damals im Finale.

42 NHL-Profis im Goldrausch, 19 300 Fans in Canada Hockey Place in Ekstase - ein ganzer Kontinent in Endspiel-Euphorie. Hoffnung, Hype und Hysterie für Millionen Menschen von Vancouver bis Washington. Unmittelbar nach dem Halbfinale begann bereits das Final- Vorgeplänkel. «Die USA haben die Finnen regelrecht überrannt, deshalb gelten sie als Favorit», meinte Kanada-Coach Mike Babcock und sorgte so für Raunen auf der Pressekonferenz.

Denn obwohl die US-Boys das einzig unbesiegte Team des Turniers sind, gelten die Gastgeber als Goliath. «Es ist immer schwer, jemanden zweimal bei einem Turnier zu besiegen. Wir müssen die ersten fünf bis zehn Minuten überstehen», stapelt auch US-Trainer Ron Wilson tief. Er weiß: Für die Kanadier geht es um die wichtigste Goldmedaille der Spiele. Seit mehr als zwei Wochen feiern und fiebern die Menschen in Vancouver vor allem wegen «Team Canada». Nichts bedeutet den rund 34 Millionen Kanadiern so viel, wie der Titel in «ihrem Sport.»

«Eishockey ist unser Spiel», war immer wieder auf Plakaten im Canada Hockey Place zu sehen. Auch Legende Wayne Gretzky hatte kontinuierlich darauf verwiesen. Sollten Crosby und Co. die Winterspiele zum goldenen Abschluss bringen, gäbe es den kanadischen Nationalfeiertag diesmal bereits am 28. Februar und nicht wie üblich am 1. Juli. «In diesem Spiel gibt es keine Ausreden. Das Adrenalin wird durch unsere Körper pumpen, die Menge wird hinter uns stehen», sagte Stürmer Jonathan Toews. «Das wird ein Riesenspiel. Wir sind als Team gewachsen. Wir wissen jetzt, wie sie spielen und was wir zu erwarten haben», meinte Verteidiger Drew Doughty.

Der Sieg der Amerikaner vor Wochenfrist spielt für beide Seiten keine Rolle mehr. Längst vergessen, dass die Kanadier das Spiel dominierten, 45:23 Torschüsse hatten, aber am großartigen Ryan Miller im USA-Tor scheiterten. Auf «Magic» Miller setzten die Amerikaner erneut. «Ich habe schon vor dem Turnier gesagt, dass die Mannschaft mit dem besten Goalie Gold gewinnt», sagt Wilson. Und selbst der NHL- gestählte Babcock räumt ein, dass der beste Torhüter ihn immer nervös mache.

Allerdings habe man es Miller im ersten Spiel zu leicht gemacht, das werde diesmal nicht passieren, so Babcock. Der Coach baut vor allem auf seine Offensive. 32 Tore haben die kanadischen Superstürmer in fünf Spielen erzielt - so viele, wie kein anderes Team. Selbst Weltmeister Russland war chancenlos und kassierte in nicht einmal 30 Minuten sieben Gegentreffer. «Wir haben starke Gegner gehabt und trotzdem einen Weg zum Sieg gefunden. Deshalb ist unser Selbstvertrauen riesengroß», betonte Crosby. Doch auch die Amerikaner glauben an die eigene Stärke. «Unser Selbstbewusstsein war von Beginn an groß. Wir sind hergekommen, um Gold zu gewinnen, jetzt haben wir die Chance dazu», sagt Jamie Langenbrunner.

27.02.2010


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